Schlafstörung: Mondsucht

Spielt der Mond beim Schlafwandeln wirklich eine Rolle?


Schlafstörung: Schlafwandeln (Somnambulismus)
Mondsucht - Spielt der Mond wirklich eine Rolle?

Fotomontage: Der MondDie Schlafstörung Somnambulismus (lateinisch: somnus - der Schlaf und ambulare - wandern) ist im Deutschen gleich unter mehreren Namen bekannt: Schlafwandeln, Nachtwandeln oder Mondsucht (Lunatismus). Gerade letzterer hebt das Geheimnisvolle, für den Laien Unerklärliche dieser Schlafstörung hervor.

Tatsächlich vermutete man lange Zeit die Ursache des nächtlichen Umherwandelns im Vollmond. Daher die Bezeichnung Mondsucht. Diese Theorie wurde jedoch wissenschaftlich widerlegt. Nachgewiesen werden konnte allerdings die Tatsache, dass die Betroffenen sich vornehmlich auf Lichtquellen zu bewegen. Als wesentliche Ursache hingegen gilt ein noch nicht voll ausgereiftes Nervensystem: Während schätzungsweise nur ein bis zwei Prozent der Erwachsene als chronische Schlafendler gelten, geht man bei Kindern von zehn bis dreißig Prozent aus. In der Pubertät legt sich die Neigung zum Somnambulismus bei den meisten wieder.


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Eine genetische Disposition gilt beim Schlafwandeln als erwiesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind betroffen ist, liegt bei 60 Prozent, wenn beide Elternteile Schlafwandler sind. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen muss es sich beim Schlafwandeln nicht zwangsweise um eine wiederkehrende Erscheinung handeln. Bei manchen tritt das Phänomen im ganzen Leben nur ein einziges oder wenige Male auf.

Aktuelle Studien, die Untersuchungen in Schlaflaboren mit einbeziehen, belegen, dass bei Schlafwandlern der Aufweckmechanismus gestört ist. Diese Störung führt bei den Betroffenen zu nicht bewussten psychomotorischen Aktivitäten während des Schlafes. Sie tritt während der Tiefschlafphasen im ersten Drittel des Nachtschlafes auf und lässt den Schlafenden das Bett verlassen und teilweise sogar die unterschiedlichsten Tätigkeiten verrichten, ohne aufzuwachen. Körperliche Reize (beispielsweise Harndrang) oder äußere Einflüsse wie laute Geräusche scheinen den Ausbruch einer akuten Somnambulismus-Phase zu begünstigen.

Während des Schlafwandelns sind die Augen des Betroffenen starr geöffnet, seine Mimik ist ausdruckslos, die Koordination der Bewegungen und die Orientierung sind eingeschränkt. Schlafwandler nehmen ihre Umwelt nur eingeschränkt wahr und sind somit stark unfallgefährdet. Sie sind ansprechbar und beantworten mitunter Fragen, wenn auch mit undeutlicher, oftmals unverständliche Aussprache.

Eine schlafwandlerische Episode beginnt damit, dass sich der Betroffene im Bett aufrichtet und wiederholt motorische Bewegungen ausführt. Das kann beispielsweise ein wiederholtes Zupfen und Zerren an der Bettdecke sein. Oftmals ist das auch schon alles: Der Schlafwandler legt sich wieder zurück und schläft normal weiter.

In anderen Fällen verlassen die Betroffenen das Bett, gehen im Zimmer umher und verlassen mitunter sogar das Haus. Auch einfache bis komplexe Tätigkeiten - vom Fenster oder Schränke öffnen über die Einnahme von Speisen bis hin zum Autofahren - sind möglich und dokumentiert. Und auch E-Mails wurden bereits im Schlaf geschrieben und versendet: In „Sleep Medicine“, einem einem medizinischen Fachjournal, beschreiben Wissenschaftler der Universität Toledo, Ohio, den Fall einer 44-jährigen Frau, die zwei Stunden nach dem Zubettgehen wieder aufstand und sich im Schlaf an ihren Rechner setzte. Sie schaltete den Computer ein, stellte die Internetverbindung her, loggte sich in ihr E-Mail-Programm ein und schrieb drei Mails. In einem sprachlich ungewöhnlichen, schlecht formatierten Text, der aus einer wahllosen Mischung aus Groß- und Kleinbuchstaben bestand, forderte sie in einer der Mails den Empfänger auf, am kommenden Nachmittag um 16 Uhr zu ihr zu kommen und Wein und Kaviar mitzubringen. Die 44-Jährige konnte sich weder an die Mails noch an ihr nächtliches Aufstehen erinnern und war geschockt, als sie davon erfuhr. Kurios - doch wohl kein Einzelfall. Experten bezeichnen diese neue Form des Nachtwandelns bereits als „zzz-mailing“.

Wie im Fall der schlafenden Mail-Schreiberin kehren die meisten Schlafwandler von selbst wieder in ihr Bett zurück. Dort schlafen sie ganz normal weiter und können sich in den meisten Fällen am nächsten Morgen nicht mehr an ihren nächtlichen Ausflug erinnern. Kehrt der Betroffene einmal nicht selbstständig in sein Bett zurück, sollte er dorthin geführt, aber keinesfalls geweckt werden.

VGW 327