Schlafen lernen in der Schlafschule
Interview mit dem Leiter der Schlafschule Düsseldorf, Dr. Michael Schreiber, psychologischer Psychotherapeut.
schlafen-aktuell: Was hat man sich unter einer Schlafschule vorzustellen? Geht es dort mehr wie in einer Schule oder mehr wie in einem Schlafsaal zu?
Dr. Michael Schreiber: Schlafen soll man in der Schlafschule sicher nicht. Vielmehr bietet unsere Schlafschule eine Hilfestellung für einen besseren Schlaf zu Hause. In zumeist Wochenendseminaren lernen die Teilnehmer, was Schlaf ist und sie lernen den richtigen Umgang damit.

schlafen-aktuell: Mit welchen Zielen ist die Schlafschule Elbroich in Düsseldorf vor drei Jahren an den Start gegangen?
Dr. Michael Schreiber: Der Grund für unsere Bemühungen liegt in der Erkenntnis, dass viele Menschen unter Schlafstörungen leiden, aber nur wenige sich in ärztlicher oder psychologischer Behandlung befinden. Unsere Schlafschule richtet sich daher an die breite Öffentlichkeit und möchte einen besseren Umgang mit dem Schlaf vermitteln, mit dem Ziel, Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu steigern.
schlafen-aktuell: Warum brauchen Menschen heutzutage eine Schule, in der sie das Schlafen wieder erlernen bzw. warum haben viele das Schlafen überhaupt erst verlernt?
Dr. Michael Schreiber: Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Gründen, warum es viele Menschen „verlernt“ haben, mit ihrem natürlichen Schlafbedürfnis vernünftig umzugehen. Ein guter Teil ist sicherlich unserer schlaffeindlichen Lebensweise geschuldet. So ist Stress eine der Hauptursachen von Schlafstörungen. Man muss z.B. feststellen, dass in der Arbeitswelt ein immer höherer Zeitdruck herrscht. Diese Belastungen des Tages können dann dazu führen, dass die Betroffenen zu angespannt sind, um einzuschlafen. Die innere Anspannung ist die direkte Ursache für das Nicht- Schlafen-Können, denn um schlafen zu können, muss man zunächst mal entspannen können.
Zudem hat Schlafen mitunter ein schlechtes Ansehen in unserer Gesellschaft und gilt als vertane Zeit. Es gibt genügend Leute, die sich damit brüsten, mit sehr wenig Schlaf auszukommen und sich aus diesem Grund als besonders leistungsstark empfinden. Das ist aber Unsinn, denn wir Menschen müssen uns im Gegensatz zu Maschinen erholen.
schlafen-aktuell: Wie läuft ein Tag oder ein Wochenendseminar in Ihrer Schlafschule ab?
Dr. Michael Schreiber: Unsere Schlafschule bietet üblicherweise Wochenendkurse an. In von Experten geleiteten Gruppen- und Einzelgesprächen werden richtige und falsche Gewohnheiten zum Thema Schlaf aufgedeckt und mögliche Fehler erkannt. Der Umgang mit dem eigenen biologischen Rhythmus wird gelernt. Schlafhygienische Maßnahmen sollen es Betroffenen ermöglichen, ihren gesunden und natürlichen Schlafrhythmus wieder zu finden. Betroffene werden über Schlafstörungen informiert. Sie werden über die Möglichkeiten medikamentöser und nicht-medikamentöser Hilfen unterrichtet und erhalten Tipps zur richtigen Schlafumgebung. Sie lernen Entspannungsverfahren und bekommen Anleitungen zur körperlichen Aktivität. In Tabelle 1 ist beispielhaft ein Wochenendkurs dargestellt. Die Teilnehmeranzahl soll 10 Personen nicht überschreiten.
Tabelle 1: Wochenendkurs der Schlafschule
Samstag
09.00 Uhr Einführung und Vortrag "Warum müssen wir schlafen? "
10.30 Uhr Einzelgespräche
12.30 Uhr Mittagspause
14.00 Uhr Vortrag "Wie finde ich erholsamen Schlaf? : Schlafstörungen und Ihre Behandlung Teil 1"
16.00 Uhr Entspannungsübungen Teil 1 (Progressive Muskelrelaxation)
17.00 Uhr Diskussion
Sonntag
09.00 Uhr Lichttherapie
10.00 Uhr Vortrag "Wie finde ich erholsamen Schlaf? : Schlafstörungen und Ihre Behandlung Teil 2"
11.30 Uhr Nordic Walking im Park
12.30 Uhr Mittagspause
14.00 Uhr Entspannungsübungen Teil 2 (Qi Gong, Feldenkrais)
15.00 Uhr Abschließende Diskussion
schlafen-aktuell: Soll das Angebot der Schlafschule allein Menschen ansprechen, die bereits massive Schlafschwierigkeiten haben oder kann ein Seminar bei Ihnen auch präventiv wirken?
Dr. Michael Schreiber: Die Schlafschule ist in erster Linie präventiv ausgerichtet. Sie soll aber auch Betroffene dazu befähigen, auf Schlafstörungen richtig zu reagieren und weiterführende Hilfe in Anspruch nehmen zu können.
So kennen wir insgesamt über 80 verschiedene Schlafstörungen, deren Ursachen vielgestaltig sind. Von außen einwirkende Faktoren, etwa Schichtarbeit, eine hohe Lärmbelästigung während der Nacht oder zu viel Hektik und Stress während des Tages, aber auch Sorgen, Verstimmungszustände oder Depressionen. Manche Schlafstörungen haben aber auch eine körperliche Ursache. Genannt seien hier das Schlaf-Apnoe-Syndrom, also nächtliche Atemaussetzter, oder das Restless-Legs-Syndrom. Dieses Krankheitsbild führt zu dem unwiderstehlichen Drang, sich bewegen zu müssen, und macht Schlafen kaum möglich. Auch wissen wir, dass z.B. chronische Ein- und Durchschlafstörungen, die länger als 6 Monate bestehen, ggf. durch moderne am Schlaf ausgerichtete Kurzzeitpsychotherapien behandelt werden sollten. Daher ist es ein wesentliches Ziel von uns, Betroffene bei der Auswahl weiterer diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten eine Hilfe anzubieten.
schlafen-aktuell: Wie ernst ist das Problem Schlafstörung in Deutschland? Gibt es Länder / Regionen, in denen besser geschlafen wird als hierzulande?
Dr. Michael Schreiber: Schlafstörungen sind ein weltweites Problem. Zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung leiden an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt Schlafstörungen auf eine Stufe mit koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus oder Lungenkrebs, berichtet die Deutsche Ärztekammer.
Dabei ist erholsamer Schlaf Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Der chronisch gestörte Schlaf führt nicht nur zu einer Tagesmüdigkeit, sondern kann zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Hierzu gehören z. B. Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen, Magen- Darm-Erkrankungen aber auch psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen. Erholsamer Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.
schlafen-aktuell: Wann würden Sie einer Person raten, sich aufgrund von Schlafproblemen in ärztliche Behandlung zu begeben bzw. eine Schlafschule wie die Ihre aufzusuchen?
Dr. Michael Schreiber: Wenn ein Mensch länger als 4 Wochen eine erhebliche Veränderung seines Schlafes wahrnimmt und/oder am Tage einer Verringerung seiner Leistungsfähigkeit verspürt. Wenn man sich also müde, unkonzentriert, abgespannt fühlt und sich vermehrt anstrengen muss, um die Dinge des Alltags schaffen zu können, und vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht hat, dass einem Vieles kein rechtes Vergnügen mehr bereitet.
schlafen-aktuell: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Voraussetzungen für gesunden Schlaf?
Dr. Michael Schreiber: Die wichtigsten Voraussetzungen sind sicherlich: Man darf nicht angespannt sein und Lärm und Licht sollten keinen Platz im Schlafzimmer haben, da dies natürliche Weckreize sind, vor denen wir uns nicht schützen können. Darüber hinaus sollte man an dieser Stelle mit allgemeinen Empfehlungen vorsichtig sein, da der natürliche Schlaf-Rhythmus eines Einzelnen auch etwas mit individuellen Vorlieben und Gewohnheiten zu tun hat. So ist z.B. eine Empfehlung, dass die Temperatur des Schlafzimmers 18 Grad betragen muss, für den einen optimal und für den anderen zu kalt.
Sabine Klüber
Krankenhaus Elbroich | Psychiatrische und Psychotherapeutische Abteilung
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Schlafschule Düsseldorf
09.12.2009 - 13:26 Uhr