Literatur-Empfehlungen: Buch-Rezensionen fürs Nachtkästchen

Bücher-Tipps unserer Literatur-Expertin Christine Nouikat


An einer Axt vorbeischleichen


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Aber: Lydia weiß, was sie will: Fußball spielen – und später wird sich zeigen, dass sie schneller laufen kann als alle anderen. Ihre Sturheit hilft ihr dabei: Genauso dickköpfig, wie sie die Zeit in die Knie zwingt und den Lauf der Welt anhält, indem sie mit der Wiederholung ihrer Handlungen und Gedanken experimentiert, bringt sie auch ihren Trainer dazu, ihr sportliches Talent ernst zu nehmen. Am Ende des Buches spürt man: Dieses Kind wird sich Schritt für Schritt zur Weltelite vorarbeiten – mit der ihm angeborenen Zielstrebigkeit. Und was ist mit der wunderbaren Zeit der Kindheit? Ihr Ende kündigt sich mehr und mehr an: „Das war es also geworden“, schreibt die Ich-Erzählerin über das Weihnachtsfest auf den letzten Seiten, mit unüberhörbarer Bewusstwerdung des „Es ist vorbei“. Der Leser hat aber gottseidank die Möglichkeit, schnell zurückzukehren an den Anfang dieses einzigartigen Romans und sich hier vielleicht selbst wiederzufinden – zum Beispiel als kleines Kind auf dem winterlichen Weg zur Schule:

Es ist ganz schwarz draußen. Der Schnee ist weich und dunkel. ... Anders, Lydia, die Zwillinge und Jon gehen in die gleiche Schule. Frühe Wintermorgen wie dieser sind das Beste, was sie kennen. Dann gehen sie dichtgedrängt, blasen Frostrauch vor sich her und tun so, als würden sie wirklich rauchen. Es ist so, wie in der Nacht draußen zu sein. Die Autos kommen durch das Schneetreiben wie Gespenster. Es ist besser als in der Nacht, sie sind nicht müde und sie müssen nicht schlafen gehen.



Buch-Rezension von:
Christine Nouikat


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