Online-Handel wird immer wichtiger

Viele Hersteller sperren sich gegen Internet-Handel


Bettenbranche: Das Internet verschlafen?

Messe Köln: Eingang NordHaben Teile der Bettenbranche die digitale Revolution verschlafen? Auch auf der IMM Cologne 2012 (einer Messe, die sich mit aufwändiger Website, Facebook, Twitter und iPhone-App präsentiert) wird man diesen Eindruck mitunter nicht los. Viele teils große Unternehmen sind in den letzten zehn Jahren den Bach runter gegangen, weil sie den Anschluss ans WWW verpassten. Bei einigen ist der Groschen noch immer nicht gefallen…


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Das Internet ist ein Zukunftsmedium, seine Erfindung die wichtigste Innovation seit dem Buchdruck. Die digitale Welt und ihre globale Vernetzung werden auch für die Wirtschaft immer wichtiger, weil sich althergebrachte Strukturen im Wandel befinden. Umdenken ist angesagt. Wer heute im Netz nicht schritthalten kann, ist chancenlos. Während die einen ihre Kunden per Social Network via Smartphone live von der Messe auf dem Laufenden halten, müssen andere ihre Sekretärin einspannen, wenn es nur darum geht, eine Mail zu verschicken. Während Teile der Bettenbranche die neuen Möglichkeiten für sich nutzen und digitale Präsenz zeigen, sind andere in einer Internet- und Fortschrittsfeindlichkeit steckengeblieben, aus der es keinen Ausweg mehr gibt. War die Skepsis vor zehn, fünfzehn Jahren vielleicht noch nachvollziehbar, so ist sie heute unverzeihlich.

Das gilt auch für den Handel, für Vertriebswege, für Wege, seine Kunden zu erreichen. Der Onlinehandel gewinnt zunehmend an Bedeutung, das beweisen Amazon und Co, aber manche Bettenhersteller scheinen sich noch immer nicht darüber bewusst zu sein, welch massive Umsätze sie verschenken, wenn sie sich gegen Onlinevertrieb wehren. Es herrscht ein Protektionismus, der nicht mehr zeitgemäß ist. Auch auf der IMM 2012 in Köln und der Heimtextil in Frankfurt sind Onlinehändler bei einigen Herstellern wieder auf Ablehnung gestoßen. „Es ist aber nicht nur das, sondern auch die Art und Weise“, sagt Philip Ronicke, der den Webshop Premium Bettwäsche betreibt. „Marken wie beispielsweise BOSS, die sich diesbezüglich im persönlichen Kontakt auf der Heimtextil in besonderer Weise negativ hervorgetan haben, klammern sich offenbar im Bereich der Heimtextilien verzweifelt an die vermeintlich Macht ihrer Marke und versuchen, diese vor angeblichen Verwässerungen durch den Online-Handel zu schützen. Die teilweise pauschale Ablehnung gegenüber dem Online-Handel wird dazu führen, dass die jeweilige Marke aus dem Köpfen der potenziellen Käufer nach und nach verschwindet. Ferner besteht die große Gefahr, dass die fehlende Auffindbarkeit im Internet-Handel dafür sorgt, dass Verbraucher der Marke absprechen, noch zeitgemäß zu sein.“

Claudia Lueckeotto, die gerade mit ihrem Webshop Schlafseite.de gestartet ist, machte auf der IMM ähnliche Erfahrungen. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt sie. Sie kennt die Möbelbranche gut und wundert sich, dass es im Jahr 2012 bei einigen noch immer so große Vorbehalte gegenüber dem Internet gibt.

Die Verwunderung teilt auch Roland Formica aus SanFrancisco. Er vertreibt seit vierzig Jahren Wasserbetten und ist im Internet präsent. „Man muss die Möglichkeiten doch nutzen“, meint er – ebenso wie Alexander Heuwinkel von Traumreiter, der als kleiner Online-Händler angefangen hat und heute auch als Hersteller erfolgreich ist.

In Teilen hat die Ablehnung ihre Gründe in der Preisgestaltung. Die Hersteller wollen verhindern, dass ihre Produkte zu billig verkauft werden. Andererseits geht es um die Präsentation. Viele Onlineshops schaffen es nicht, die Ware in der gewünschten Weise zu präsentieren und das Image des Labels angemessen zu vertreten. Zudem hat der Internethandel aufgrund Schwarzer Schafe noch immer nicht den besten Ruf. Dennoch genügen diese Gründe nicht für die ablehnende, mitunter sogar feindselige Haltung. Schwarze Schafe gibt es auch im stationären Handel, und das gar nichtmal selten. Dass seriöse Beratung nur im stationären Fachhandel möglich ist, ist ebenfalls ein Märchen, ein Beispiel dafür liefert der Service von Bett.de. Missbrauch kann man eindämmen. Aber dafür ist es nötig, dass man dem Medium, das immer mehr Menschen als primäre Einkaufsquelle nutzen, offen gegenübersteht. Qualität im Fachhandel zu sichern ist Aufgabe der Hersteller und auch der Fachverbände, und es ist hierbei relativ egal, ob der Fachhändler nun online oder offline agiert.

Eins steht fest: Die Gewinne der Zukunft werden im Internet gemacht. Die Relevanz des Mediums wächst täglich. Wer das heute noch nicht verstanden und tragfähige Konzepte entwickelt hat, der wird in nicht allzu ferner Zukunft vor immensen Problemen stehen.  Andererseits freuen sich die starken Onliner natürlich über das Gefälle in der Branche. Während einige immense Umsätze einfach verschenken, profitieren andere umso mehr und werden ihre Position gegen Nachzügler zweifellos verteidigen.

Autor: Gerrit Wustmann

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