Coole Menschen haben Wasserbetten: ein Gute-Nacht Literat

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Coole Menschen haben Wasserbetten


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Bitte, Meinhart! Ich hab dich lieb. Auf einmal war all das Coole von ihr abgefallen. Sie sah mich an mit diesem Blick, der mich jedesmal weich macht, wenn ich mich insgeheim frage, was ich da eigentlich tue. Mit einer jungen Frau, die zwar mündig ist und über sich selbst bestimmt, aber meine Tochter sein könnte. Und die außerdem verheiratet ist. Mit einem Typen, der einen schweren geländegängigen, paramilitärischen Wagen fährt, mit Breitreifen und massivem, verchromtem Kuhfänger, ein Rammbock von Auto, mit dem er alle möglichen Hindernisse auf irgendwelchen blöden Camel- oder Marlboro-Abenteuerrallys aus dem Weg räumen könnte; und natürlich Tiere: Känguruhs, Gnus, Nashörner, seltener wohl Kühe, und dann würde er sein Handy zücken und die Nummer seiner coolen Stammkneipe eindrücken. Heh, Leute, hier ist euer Kumpel Eddie straight from Australia. Stellt euch vor, wir haben gerade ...
Er braucht das geländegängige Fahrzeug, weil sein Boot auf dem Canal du Nivernais im Burgund hundertfünfzig Meter von der asphaltierten Straße entfernt liegt. Der Weg dahin ist ungeteert. Da riskiert man nicht gerne was.

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Sie sieht mich also an mit diesem Blick, der mir (seit vier Monaten) von Mal zu Mal klarer macht, daß ich sie aus den Klauen, Pranken, Fängen, Armen, dem Würgegriff dieses adrett gekleideten, jeepfahrenden, handyfummelnden Rambos, Rammbos? Rammboss? Amboss? befreien muß, der ihre intellektuelle, also geistige, ich meine, akademische Entfaltung ...
„Du, was ist? Wollen wir es nicht schön haben?“
„Doch“, sage ich. „Schon.“
„Eddie ist ganz bestimmt in Frankreich.“

Eddie war nicht in Frankreich.
Auch mit einem schweren geländegängigen Wagen mit Breitreifen und Kuhfänger, der problemlos zwanzig Liter schluckt, wo mein Kangoo sich mit sechseinhalb zufrieden gibt, kann man offenbar leise anrollen, die Lichter ausschalten, aussteigen, kann die Tür zudrücken und zu einer Wohnung im dritten Stock hinauffahren, aus deren Schlafzimmerfenster schwaches Licht nach außen dringt, das man, weil es das eigene Schlafzimmer ist, als das der Nachttischlampe rechts vom Wasserbett erkannt hat. Zuvor hat man noch mit einem in ein vom Nebel auf dem Canal du Nivernais klammfeuchtes Hemd gewickelten Handy diskret ein paar Dellen in einen borneo-grünen Renault Kangoo geschlagen, ein Fahrzeug, das Charakter hat, technische Innovationen mit Lebensqualität verbindet und auf Mobilität als Ausdruck des individuellen Lebensstils seines Besitzers verweist, durch das polizeiliche Kennzeichen R-UN 60 indessen an den seltsamen Typen von der Uni denken läßt, diesen Runen-Experten, von dessen Seminaren die in den letzten Monaten auffallend eifrig studierende Ehefrau so verdächtig begeistert berichtet hat.



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