Blaue Abende mit meinem Delphin


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Sie hörte auf zu schreien, war plötzlich ganz still und bog sich mir entgegen. Ich nahm meine Hand von ihrem Mund und drückte auf ihren Bauch. Sie sog Luft ein und kam so stark, daß mir für einen Moment die Kappe entglitt. Ich sah den Delphin schon in ihr verschwinden und sich seinen Weg bis zu ihrem Hals bahnen, aber dann tauchte die zitternde schwarze Kappe wieder aus ihr hervor.

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Ich ließ ihn ihr noch so lange, bis sie sich beruhigt hatte und normal atmete, dann zog ich ihn heraus. Seine Schnauze glitzerte, seine kleinen Delphinaugen waren verklebt. Ich leckte ihn sauber.

Naja, sagte sie, es ist ja nicht immer so stressig wie im Moment. Ich nickte. Ihre Knie lagen auseinandergefallen auf der Matratze. Sein eines Auge ist noch weiß, sagte sie und deutete auf den Delphin. Ich leckte es blau, dann legte ich ihn aufs Bett. Wir sahen ihn beide eine Weile an, wie ein schlafendes Kind, das man stolz betrachtet.



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Sie setzte sich auf und strich durch ihre Haare, die am Hinterkopf zerzaust und verknotet waren. Dann stand sie auf und zog sich an. Ich blieb auf dem Bett sitzen und sah ihr zu. An der Tür küßten wir uns kurz. Bis morgen, sagte sie. Bis dann, sagte ich. Ich sah ihr nach, bis sie um die Ecke verschwunden war, dann schloß ich die Tür. Ich ging ins Badezimmer und hielt den Delphin unter den Wasserhahn, mit der Hand fuhr ich an seinem Körper entlang, glatt und geschmeidig, dann trocknete ich ihn sorgfältig ab. Ich stellte ihn einmal kurz an, um zu prüfen, ob die Batterien für morgen abend reichen würden, dann legte ich ihn in die Schublade zurück und deckte ihn mit zwei BHs zu.



Autor:
Marna Ireen Syred


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Literarische Geschichte: Blaue Abende mit meinem Delphin
12.11.2006 - 14:25 Uhr