Liebe unter Tieren
Da meine Aufmerksamkeit beim Lieben in der Regel ungeteilt der geliebten Frau gilt, kann ich hier nur die wenigen Beobachtungen mitteilen, die sich sozusagen en passant ergeben haben, denn beiläufig fällt der Blick ja auch bei der Liebe mal auf etwas anderes, beispielsweise also die Katze, die gelangweilt auf der Fensterbank kauert wie eine Sphinx und die Augen entweder zukneift oder nur schläfrig mal einen Spalt weit aufmacht, oder den Hund, der flachgedrückt auf dem Fußboden liegt, oft abgewandt, aber nicht immer, den Kopf zwischen die ausgestreckten Vorderpfoten gepresst, und nur dann und wann mal faul ein Lid hebt oder, wenn es sehr laut wird, auch mal den Kopf hochnimmt und erstaunt und fragend herüberschielt. Und wenn es vorbei ist, wedelt er freudig mit dem Schwanz, weil er hofft, dass es jetzt raus an die frische Luft geht, womit er nicht selten recht hat. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich guten Gewissens von mir sage, daß mein Verhältnis zu Tieren (Vierbeinern) beim Lieben ganz unproblematisch ist.Doch das war nicht immer so.
Tamara und ich hatten einmal einen Streit. Es muß vor unserer sehr kurzen frivolen Phase, aber auch schon in Arles gewesen sein, denn Tamara hatte bereits Arly, eine nach ihrem Herkunftsort benannte – allerdings mit Betonung auf der zweiten Silbe - hübsche und liebe, schwarzweiß gefleckte Mischlingshündin, die freilich damals noch ein Welpe war. Unser Streit ging darum, ob Arly dabei sein durfte, während wir uns liebten. Tamara war dafür, ich dagegen. Wahrscheinlich wäre es korrekter zu sagen, dass Tamara dafür war, weil ich dagegen war. Sie fand mich einfach lächerlich, im Grunde war es ihr natürlich so egal, wie es mir später stets egal war. Ich weiß nicht mehr zu sagen, was meine Begründung war, vermutlich hatte ich keine, zumindest konnte ich sie nicht überzeugend formulieren. Ich höre noch den Dialog:
„Sag mal, du spinnst doch. Sie tut doch gar nichts und liegt nur da.“
„Aber ich will das nicht. Sie soll raus.“
„Kannst du mir vielleicht erklären, warum?“
„Ich will es eben nicht, dass sie da liegt.“
„Das ist doch albern. Was hast du eigentlich. Ein harmloser Hund.“
„Nein, ich will es nicht.“
Literarische Geschichte: Liebe unter Tieren
12.11.2006 - 12:45 Uhr