Schweinereien
Ein paar Kilometer hinter Plön an der B 76 liegt linkerhand ein unscheinbares Café und Restaurant, von dem ich mich jedes Mal, wenn ich vorüberfahre, frage, wer dort wohl anhält, um Kaffee zu trinken oder gar zu essen. Es ist ein roter Backsteinbau im Stil der kleinen Einfamilienhäuser mit Gemüsegarten und Hühnerstall, wie sie hier oben bis in die sechziger Jahre gebaut wurden, lediglich um einen wintergartenähnlichen Anbau erweitert. Aus den sechziger Jahren stammt auch meine Bekanntschaft mit diesem Haus, und unweigerlich stellt sich bei mir, wenn ich es sehe, die Assoziation an total verschwitzte Bettlaken ein. Damals war es nämlich noch Pension, wenn es sich nicht sogar Hotel nannte. Tamara und ich haben dort einmal übernachtet, es kann nur gewesen sein, bevor wir zusammenzogen und bald darauf heirateten, also in der Zeit, als sie noch mit Bodo verheiratet war. Wir kamen von irgendwoher zurück und wollten uns noch nicht trennen; zu ihr zu gehen, war nicht möglich, da stand Bodo vor, zu mir zu gehen, war uns zu unbequem, ich musste bis Mitternacht warten, um Tamara mit in mein Zimmer nehmen zu können, wobei ich sie die Treppe hochtrug, damit keine doppelten Schritte zu hören waren. Und um sicher zu sein, nicht erwischt zu werden von meinem Vermieter, der Beamter war und mich eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass er sich der Kuppelei schuldig mache und seine Position als Dienststellenleiter aufs Spiel setze, falls meine Freundin bei mir übernachtete – und in der Überwachung des damit ausgesprochenen Verbots unterstützte ihn seine Frau eifrig -, mussten wir, Tamara wieder Huckepack, das Haus vor sechs Uhr verlassen, denn um kurz nach sechs klingelte der Wecker des Dienststellenleiters, und danach war bis halb neun kein unentdecktes Entkommen, Tamara musste aber schon um acht bei ihrer Arbeit sein. Aus diesen Gründen, nehme ich an, stiegen wir kurz vor der Rückkehr nach Lübeck noch für eine Nacht in besagter Pension ab. Merkwürdigerweise ist mir jede Erinnerung an das, was wir dort taten, entglitten, nur die nassen Bettlaken sind mir in Erinnerung geblieben, die wir schamhaft zurückließen, und Tamaras Kommentar beim Verlassen des Zimmers: „Jeder kann sehen, was wir hier gemacht haben. Laß uns bloß schnell abfahren.“
Literarische Geschichte: Schweinereien
12.11.2006 - 01:41 Uhr