Ruecken am See

Gesunder Rücken

Ein ruhiger Schlaf fördert das Wohlbefinden und ist zugleich größter Wunsch all derer, die unter Schlafstörungen leiden. Oftmals wird ein ruhiger Schlaf jedoch mit einem „bewegungslosen“ Schlaf gleichgesetzt und nächtliches Drehen irrtümlich als schlafstörend interpretiert.

Tatsächlich ist das Drehen während des Schlafes aber für unseren Körper zwingend erforderlich. Eine zu weiche Matratze, die den Schlafenden so tief einsinken lässt, dass er sich kaum mehr bewegen kann, behindert somit nicht nur die Erholungsfunktion, die der Schlaf für den menschlichen Körper hat, sondern schadet indirekt auch den Bandscheiben. Denn diese sind auf regelmäßige Bewegung angewiesen.

Bandscheiben bestehen aus knorpeligem, nicht durchblutetem Gewebe, liegen zwischen den Wirbelknochen und schützen diese vor dem Aufeinanderreiben. Sie ermöglichen die flexible Bewegung des Rückgrats und schützen unser Gehirn – gleich einem Stoßdämpfer – vor Erschütterungen. Die Wirbelsäule des Menschen besitzt insgesamt 23 Bandscheiben; lediglich zwischen Schädel und Halswirbel sowie zwischen erstem und zweitem Halswirbel liegt keine Bandscheibe.

Die Bandscheiben enthalten Flüssigkeit und „ernähren“ sich durch einen permanenten Flüssigkeitsaustausch: Durch Druck auf die Bandscheibe verliert diese Flüssigkeit; im Liegen wird die Bandscheibe entlastet und nimmt wieder Flüssigkeit auf. Dieser ständige Wechsel zwischen Be- und Entlastung ist Grundvoraussetzung für den Stoffwechsel der Bandscheiben: Da sie nach Abschluss der Wachstumsphase keine Blutgefäße mehr besitzen, sind sie auf den Flüssigkeitsaustausch angewiesen, der sie mit Nährstoffen versorgt. Dies geschieht durch Bewegung. Sie pumpt Nährflüssigkeit in die Bandscheiben, stimuliert die Muskulatur und regt dadurch die Durchblutung an. Dies wiederum sorgt dafür, dass Gewebeflüssigkeit zu den Bandscheiben transportiert wird. Zu wenig Bewegung ist demzufolge für die Bandscheiben schädlich.

Das Ausmaß des täglichen Flüssigkeitsverlustes in den Bandscheiben machen medizinische Studien deutlich, die zeigen, dass die Körpergröße eines Menschen bei Messungen am Abend um bis zu drei Zentimeter von der bei einer Messung am Morgen des gleichen Tages abweichen kann. Wir schrumpfen also durch die Belastung unserer Bandscheiben.

Die regelmäßige Be- und Entlastung ist daher zwingende Voraussetzung für die – im wahrsten Sinne des Wortes – „reibungslose“ Funktion der Bandscheiben. Auch während des Schlafens! Neben einer genetischen Disposition, Unfällen, Bindegewebsschwäche oder einer Schwäche der neben den Bandscheiben gelegenen Muskulatur ist einseitige Belastung eine der Hauptursachen für einen Bandscheibenvorfall. In den letzten Jahren ist die Zahl der Bandscheibenvorfälle drastisch gestiegen. Gründe hierfür sehen Experten unter anderem in unserer heutigen Lebensweise, in der Bewegungsmangel und Fehlhaltungen – insbesondere bei Arbeiten am Computer oder sonstigen Schreibtischtätigkeiten – an der Tagesordnung sind. So verwundert es nicht, dass auch bereits Kinder der Gefahr eines Bandscheibenvorfalls ausgesetzt sind. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt jedoch bei 40 Jahren. Die Bandscheiben im Lendenwirbelbereich trifft es bei einem Vorfall am häufigsten. Weniger häufig betroffen sind Halswirbel und noch seltener die Brustwirbel. Auch wenn immer wieder bei „gesunden“ Menschen zufällig Bandscheibenvorfälle entdeckt werden, die sich Jahre zuvor symptom- und schmerzlos ereignet haben, sind starke Schmerzen und sogar Empfindungsstörungen bis hin zu Lähmungserscheinung die häufigsten Symptome.

Vorbeugend werden gymnastische Übungen und Bodybuilding, aber auch Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Laufen, Nordic Walking, Tanzen und sogar Reiten empfohlen.

Neben regelmäßiger aktiver Bewegung und der bewussten Vermeidung von Fehlhaltungen kann aber auch ein guter Schlaf dazu beitragen, die Bandscheiben vor Verschleiß zu schützen und gesund zu erhalten. Dies wiederum erfordert die Möglichkeit, sich während des Schlafens problemlos Drehen und Wenden zu können. Eine gute, den individuellen körperlichen Anforderungen und Schlafbedürfnissen entsprechende Matratze ist die Grundvoraussetzung dazu. Beim Matratzenkauf sollten Faktoren wie Körpergröße und -gewicht, bevorzugte Schlafposition, Druckempfinden, Wärmebedarf und Schwitzverhalten, aber auch Allergien und Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf- oder Magenbeschwerden, Entzündungen und nicht zuletzt Rückenprobleme berücksichtigt werden. Das Angebot der Matratzenhersteller ist groß. Eine professionelle Beratung ist der Gesundheit zuliebe dringend zu empfehlen.

Autor: Michael Babilinski