Das Wasserbett hat es in die Literatur geschafft!
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Robert Olen Butler
Stimmen aus dem Wasserbett. Stories
Goldmann Verlag, 1998
Ziemlich abstrus ist die Idee des 1945 geborenen Pulitzer-Preisträgers, ein armes, in seine Elementarteilchen aufgelöstes Titanic-Opfer just in einer Wassermatratze fast ein Jahrhundert nach der Katastrophe sein Leid klagen zu lassen. Wetten, Sie werden nach der Lektüre der Eingangserzählung „Titanic-Opfer spricht durch Wasserbett“ einen Kontrollblick auf und unter Ihr Wasserbett werfen – sofern Sie eines besitzen? Die Erzählerstimme – denn viel mehr als eine innere Stimme ist nicht von dem jungen Mann übrig geblieben, der im Jahre 1912 die Atlantiküberquerung nicht überlebte –, berichtet von den Ereignissen der Unglücksnacht und all den Jahren danach, in denen er als Teil des Naturkreislaufs im Ozean trieb, verdunstete und wieder herniederfiel; und die schmerzliche Erinnerung an eine geheimnisvolle junge Dame, die in der letzten Erzählung des Bandes – „Titanic-Überlebende im Bermudadreieck aufgetaucht“ – ihre eigene Stimme bekommt, um sich an dieselbe Situation spiegelverkehrt zu erinnern, entlockt ihm einen Schmerzensschrei, der wiederum das Pärchen, das auf dem Wasserbett ruht, doch einigermaßen beunruhigt.
Auch die anderen Erzählungen dieses großartigen Bandes haben sensationelle Inhalte, die durch boulevardeske Titel angekündigt werden: In „Hilfe: Suche meinen außerirdischen Geliebten“ entbrennt eine verlassene Vierzigjährige für einen Außerirdischen, der ihr plötzlich auf einem einsamen nächtlichen Parkplatz gegenübersteht, weil er sich, obwohl zu Forschungszwecken angereist, in sie verliebt hatte, und der so ziemlich alles in sich vereinigt, wonach Frauen sich sehnen: Mit Schönheit und Muskeln kann er zwar nicht punkten, testosteronmäßig scheint es aber in den Weiten des Alls nicht anders zu funktionieren als hier bei uns.
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Der Buch Tipp: Stimmen aus dem Wasserbett - Seite 1
29.11.2007 - 12:26 Uhr