"Wasserbetten sind Luxusartikel"


Folgt man der reinen Lehre, so ist T.T.I. neben Akva der einzige Wasserbetten-Hersteller in Europa. Die Belgier schneiden in ihrer 56.000 m2 großen Fabrik bei Bree das Vinyl von der angelieferten Rolle weg, füllen es mit Beruhigungsvliesen und zuletzt wird die Wassermatratze verschweißt – womit sie das wichtigste Kriterium für einen echten Wasserbetten-Hersteller erfüllen. Andere bekannte Namen der Wasserbetten-Branche lassen sich das Vinyl bereits geschnitten anliefern. Der Produktionsprozess setzt somit einen entscheidenden Schritt später ein.

Wasserbetten News: Das Unternehmen T.T.I. dürfte in Deutschland selbst für viele interessierte Wasserbetten-Kunden kein Begriff sein. In Belgien dagegen wurde Etienne Tilmans, Inhaber von T.T.I., vor einigen Jahren zum Unternehmer des Jahres gewählt. Ist das nicht ein Nachteil?

Kreemers: Es ist richtig, in Deutschland sind wir für den Endkunden nicht unter dem Namen T.T.I. sichtbar. Wir verkaufen unsere Betten unter den Markenbezeichnungen Stretch Top System, Royal Sleep Line, Undercover und, für den Low-Budget-Markt, Dragon. Das ist Absicht und hat sich seit 1993, als wir in den Markt gingen, bestens bewährt. Heute beliefern wir 600 Fachgeschäfte in ganz Europa mit unseren Marken, wobei Belgien, Holland und Deutschland die mit Abstand wichtigsten Märkte sind. An Bedeutung gewinnen die osteuropäischen EU-Neulinge, wenn die Absatzzahlen sich auch noch nicht mit jenen in Westeuropa vergleichen lassen.

Wasserbetten News: Wie viele Wasserbetten setzt T.T.I im Jahr an den Handel ab?


Kreemers: Nach einem kleinen Rückgang im letzten Jahr rechnen wir für 2005 wieder mit 16.000 verkauften Bettsystemen. 60 Mitarbeiter sind dafür in der Produktion tätig, 27 in der Verwaltung und weitere 12 im Außendienst.

Wasserbetten News: T.T.I. wirbt damit, neben Akva in Dänemark der einzige echte europäische Wasserbetten-Hersteller zu sein. Was genau bedeutet das?

Kreemers: Nur das Vinyl wird nicht von uns produziert. Wir lassen dieses von einem Spezialisten nach unseren Vorgaben herstellen und bekommen es auf einer Rolle angeliefert. Von da ab entsteht das Wasserbett komplett bei uns in der Fabrik. Das heißt, wir schneiden die Bettengrößen von der Rolle weg, befüllen die so entstandenen Matratzen mit Beruhigungsvliesen und verschweißen das Ganze zuletzt. Alle anderen Wasserbetten-Produkte wie die Schaumstoffrahmen, Sockel und Cover werden ebenfalls inhouse produziert. Einzig das Zubehör, also Conditioner etc. lassen wir anliefern.

Wasserbetten News: Welchen Vorteil hat die komplette Inhouse-Produktion für den Kunden?

Kreemers: Wer ein T.T.I.-Bett kauft, kann sicher sein, dass alles aus einer Hand produziert wurde. Die einzelnen Bettenbestandteile sind perfekt aufeinander abgestimmt. Es kann also z.B. nicht passieren, dass unpassende Schweißverfahren zu einem Bruch oder Riss an den Schweißnähten führen.

Wasserbetten News: Sie sagten, in Europa gäbe es neben T.T.I. nur noch Akva, die Wasserbetten vollständig in der eigenen Fabrik produzieren. Wie viele echte Wasserbetten-Hersteller gibt es denn weltweit?

Kreemers: Für Europa muss man gerechterweise auch Tasso hinzuzählen, obwohl sich die in letzter Zeit etwas vom Markt zurück gezogen haben. In den USA gibt es zwei bis drei und in China vielleicht noch mal so viele.

Wasserbetten News: Macht maximal 10. Was ist mit den anderen großen Marken wie Estrella, Dormito oder Blutimes?

Kreemers: Sie lassen sich bereits geschnittene Wassermatratzen anliefern, beginnen also einen Schritt nach uns mit der Fertigung.

Wasserbetten News: T.T.I. produziert seit 1993 Wasserbetten. Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt?


Kreemers: Zur Zeit der New Economy, als die Internet-Aktien in den Himmel schossen und die Konjunktur boomte, wurden auch Wasserbetten so gut wie noch nie verkauft. Heute ist der Konsum allgemein zurückgegangen, besonders in Deutschland, und natürlich spürt das Luxussegment dies am deutlichsten. Die absolut nötigen Einkäufe werden weiterhin gemacht, aber bei Luxusprodukten wird gespart. Das sieht man ja auch bei den Autoherstellern. Viele haben in Deutschland Absatzprobleme. Und eins muss man ja sagen: Ein Wasserbett ist nun mal ein Luxusartikel. Doch das tiefste Tal ist, denke ich, überwunden. In diesem Jahr gehen die Verkäufe nicht nur bei uns wieder leicht nach oben.

Wasserbetten News: Sind Wasserbetten eigentlich saisonale Produkte ähnlich wie Möbel?


Kreemers: Ja, die Monate Juni bis August sind die ruhigste Zeit des Jahres. Im April und Mai hatten wir noch mal einen sehr starken Auftragseingang, aber jetzt denken die Leute eher an Gartenprodukte oder an Dinge für den Urlaub. Erst ab September, wenn die eigenen vier Wände zwangsläufig wieder in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken beginnen, wenden sich die Menschen auch wieder dem Wohnungsinventar zu. Andererseits, für Schnäppchenjäger ist jetzt die ideale Zeit, weil viele Händler mit Sonderangeboten locken.

Wasserbetten News: Was kosten T.T.I-Betten im Schnitt?

Kreemers: Unsere Unikatsbetten, wie wir die Labels Stretch Top System, Royal Sleep Line und Undercover nennen, bietet der Fachhandel zwischen 1800 und 3500 Euro an, die Serie Dragon beginnt bei 1200 Euro.

Wasserbetten News: Herr Kreemers, vielen Dank für das Gespräch.


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TTI: Interview Hans Kreemers
15.11.2006 - 19:25 Uhr