Warnhinweis Fachverband!

Copyright: wasserbetten-news.de
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Zahlreiche Markt- und Industriezweige verfügen über Verbände und Fachverbände, die im besten Fall Hersteller, Händler und Verbraucher kommunikativ vereinen - oder aber nur eine der drei Parteien vertreten. Wie sieht es im Bereich Wasserbetten aus? Nachfragen in der Branche führen zu überraschenden Ergebnissen.

Der Fachverband Wasserbett e.V. mit Sitz in Sindelfingen, der aus Herstellern und Händlern besteht, sieht sich als Autorität seiner Marktnische und hat laut eigener Aussage die Aufgabe, „den Endverbraucher über die vielfältigen Vorteile eines Qualitätswasserbettes als Schlafsystem aufzuklären und damit die wirtschaftliche Position seiner Mitglieder zu stärken“. Das ist eine Aussage, die auf potentielle Kunden der vergleichsweise kleinen Wasserbettenindustrie eine gewisse Wirkung haben dürfte. Das Erstarken des Onlinesektors hat dazu geführt, dass Interessenten eine Vororientierung im Internet vornehmen, bevor sie sich mit der konkreten Kauffrage auseinandersetzen (siehe hierzu auch „Internet verändert Handel“). Im Zuge dessen werden Interessenten auf die Webpräsenz des Fachverbandes stoßen.

Michael Babilinski, Betreiber von www.wasserbetten-news.de, sieht den Verband mit Skepsis. Händler und Hersteller befänden sich in einer Konkurrenzsituation. Im Gegensatz zum Händler sei der Hersteller nicht kundenorientiert, sondern habe das Ziel, vom Händler höchstmögliche Preise zu erhalten, während der Händler eben das Gegenteil will, um die Rendite im Endverkauf hoch zu halten. Generell, so Babilinski, sei der Ansatz, das Produkt Wasserbett (Marktanteil ca. 3%) mittels der Verbandsarbeit besser in der Öffentlichkeit zu positionieren, zwar sinnvoll, das Wie müsse aber wohlüberlegt sein.

„Meine persönlichen Erfahrungen mir der Pressearbeit des Verbandes sind derzeit jedoch eher negativ. Befremdlich empfand ich ein Anliegen der Pressesprecherin des Verbandes, ich solle meine Pressemacht gegen den Internethandel nutzen. Solche Anliegen sind abzulehnen und professionelle Pressesprecher sollten auch wissen, dass Anzeigenverkauf und Redaktion in seriösen Magazinen strickt getrennt werden. Ich bin mir auch sicher, dass solche Anliegen nicht nur bei Internet-Verlagen sondern auch bei Verlegern der etablierten Printmedien auf Erstaunen stoßen würden und exakt das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich im Interesse der Hersteller liegt.“

In dem Fall ging es um eine Beschwerde der Verbands-Pressesprecherin, nachdem Babilinski eine Pressemitteilung zur Vorstandsneuwahl ignoriert hatte - was als Redakteur von Wasserbetten News sein gutes Recht ist. Im Auge des Versenders ist selbstverständlich jede Pressemitteilung relevant. Daraus leitet sich aber kein Anspruch auf Veröffentlichung ab.

Babilinski weiter: „Nach meinen derzeitigen Erfahrungen mit der Pressestelle des Verbandes und auch aus der Tatsache heraus, dass hier die Interessen von Herstellern und Händlern vermengt werden sollen, würde ich jedem, der das Produkt Wasserbett stützen möchte, von einer Mitgliedschaft im Fachverband Wasserbett e.V. abraten.“

Jens Büchel, selbst erfahrener Wasserbettenhändler, hält sich mit Lob ebenfalls bedeckt: „Zur Rolle der Verbände kann ich wenig sagen. Die einzige Erfahrung, die ich gemacht habe, war während einer Messe in Frankfurt vor einigen Jahren. Da bat man mich seitens des Fachverbandes, ich solle doch bitte Abstand halten, sonst könne ich deren Gespräche mithören.“ Das scheint ein weit verbreiteter Tenor zu sein. Zwar hat längst nicht jeder Händler negative Erfahrungen wie die eben zitierte gemacht, die stichprobenhaft erfahrene Grundhaltung zeugt aber eher von Desinteresse. Wer im Fachverband nicht Mitglied ist, scheint sich für ihn auch nicht sonderlich zu interessieren. Einen Gegenentwurf stellt der Interessenverband Wasserbetten (IWB) dar, dessen Mitglieder sich aus teils angesehenen Wissenschaftlern rekrutieren, die in zahlreichen Studien und eingehenden Recherchen dafür sorgen, dass dem Konsumenten ein vertiefter Eindruck der Materie vermittelt wird. Leider war das Büro des IWB bis Redaktionsschluss nicht für ein Statement zu erreichen.

Ulrich Leifeld vom themenverwandten Fachverband Matratzenindustrie sieht den Aufbau eines Verbandes, in dem sich sowohl Händler als auch Hersteller tummeln, ähnlich wie Michael Babilinski, als wenig sinnvoll an: „Uns geht es um die Vernetzung der Hersteller (…) Sobald wir den Handel mit in den Verband integrieren, würden wir ein Stück unserer Neutralität verlieren und stärker an dem Absatz ganz bestimmter Produkte interessiert wahrgenommen werden. Wir verkaufen dem Endkunden unsere Produkte nicht und diesen Eindruck möchten wir auch gar nicht erst aufkommen lassen.“ Das soll aber keineswegs bedeuten, dass der Konsument keine Rolle spielt. Leifeld weiter: „Wir sollten dem Handel Produktinnovationen anbieten, die dem Endkunden ganz einfach klar machen, welche Wahlmöglichkeiten er bezüglich der Auswahl seines Schlafssystems hat. Dabei ist der Qualitätsaspekt von wesentlicher Bedeutung. Der Kunde muss wissen, erkennen, sehen, fühlen, spüren, warum ihm das eine Schlafsystem mehr Komfort bietet und einen höheren Preis wert ist als ein ähnlich aussehendes anderes, das aber in der Produktqualität darunter liegt. Als Verband sehen wir es als unsere Aufgabe an, den Endkunden allgemein zu informieren und insbesondere im Hinblick auf den Kauf von Matratzen und Unterfederungen auf die Beratung im Fachhandel zu verweisen. Der Kunde muss ohne große Umstände „seine“ optimale Matratze finden können. Verbände können hier, wenn sie richtig und erfolgreich arbeiten, entscheidendes in der Aufklärung des Endkunden bewegen und sie können den Endkunden dazu aufrufen, die Beratung im Handel in Anspruch zu nehmen, die er dann auch zusammen mit dem Produkt kauft.“



Der Fachverband Matratzenindustrie ist offenbar durchdacht strukturiert und öffentlich positioniert. Selbstverständlich bewegt er sich auf einem ungleich größeren Marktsektor. Ein Vergleich verdeutlicht aber, dass sich der Wasserbetten-Interessent nicht vom klingenden Begriff „Fachverband“ blenden lassen, sondern einen genaueren Blick riskieren sollte. Denn letzten Endes erwartet der Kunde Qualität, und auf der kann und muss er bestehen. Dazu gehört Information.

Meinungen zum Artikel im Forum

Wasserbetten-News
Fachverband-Wasserbetten E.V.
04.09.2008 - 12:46 Uhr