Das Öko-Wasserbett bestand über hundert Prüfungen und ist auch für Kleinkinder als völlig unbedenklich eingestuft worden
Redaktion: Herr Wiese, der Wasserbetten-Markt ist relativ überschaubar und heiß umkämpft - dennoch haben Sie sich hier mittlerweile über 20 Jahre behaupten können. Mit welchem Rezept ist Ihnen dies gelungen?
Wiese: Das kann man einfach auf einen Punkt bringen: Wir versuchen den Kunden nicht nur durch Komfort, sondern auch durch die ständige Weiterentwicklung unserer Produkte zu überzeugen. So haben wir zum Beispiel als einer von sehr wenigen Wasserbettenherstellern eine eigene Forschungs- und Entwicklungs-abteilung im dänischen Ry. Das Konzept Wasserbett ist ja schon über 3000 Jahre alt, aber immer noch enorm entwicklungsfähig - gerade mit den moder-nen Werkstoffen, die uns heute zur Verfügung stehen. So haben wir zum Bei-spiel im letzten Jahr kritische Weichmacher aus unseren Matratzen verbannt und stellen unsere Produktion gegenwärtig ganz aktuell auf neue laminierte Fo-lien um, die eine noch höhere Lebensdauer der Matratze garantieren.
Auch die Zertifizierung nach dem Öko-Tex Standard 100 ist in diesem Lichte zu sehen - auch sie wurde erst durch modernste Materialentwicklungen möglich. Wir sind sicher, dass wir mit verbesserter Sicherheit, verbessertem Komfort und vor allem der erhöhten Umweltfreundlichkeit unserer Produkte auch Kunden für Wasserbetten gewinnen können, die bisher aus verschiedensten Gründen noch eher abgewartet haben.
Redaktion: Wasserbetten nach Öko-Tex-Standard - das klingt ungewöhnlich.
Wiese: Ja, aber die Zertifizierung war für uns absolut essenziell. Schließlich darf man nicht vergessen, dass man ein gutes Drittel seines Lebens im Bett verbringt - mehr Zeit als an jedem anderen Ort. Da sollte man schon darauf achten, dass man sich nicht mehr Chemie ins Schlafzimmer holt als unbedingt nötig. Das erkennen natürlich auch immer mehr Kunden. Ihnen gibt der Öko-Tex Stan-dard eine sehr strenge Richtschnur: Die Kriterien hinter den mehr als hundert Einzelprüfungen des Standards gehen schließlich streng über gesetzliche Vor-gaben hinaus und berücksichtigen auch, ob Schadstoffe wie zum Beispiel Schwermetalle durch Schweiß oder Speichel aus dem Produkt extrahiert wer-den können. Wir konnten die Tester mit unseren Produkten voll überzeugen und sind in die anspruchsvollste Produktklasse I eingruppiert, was bedeutet, dass Akva-Wasserbetten selbstverständlich auch für Babys und Kinder bis zum zweiten Lebensjahr völlig unbedenklich sind.
Aber das Öko-Tex-Siegel ist letztlich nur die konsequente Fortsetzung unserer Strategie, auf die wir schon seit unserer Gründung setzen: Wir sind zum Bei-spiel der erste europäische Wasserbettenproduzent, der das begehrte Zertifikat über die Erfüllung des internationalen Umweltstandards ISO 14001 bekommen hat; wir sind der einzige Hersteller, der alle Inhaltsstoffe unserer Produkte de-klariert - und wir haben eine gläserne Produktion.
Redaktion: Die Zertifizierung als Wettbewerbsvorteil. Sehen Sie in einer stärkeren Fokus-sierung auf „sanfte“ Aspekte wie Emissionsarmut einen Weg aus der Krise der Möbelbranche?
Wiese: Wir sehen unsere Arbeit durchaus auch als Werbung für das Wasserbett allge-mein. Natürlich setzen wir uns damit auch von unseren Mitbewerbern ab, weil wir die ersten sind, die so weit gegangen sind - und das nicht nur, weil die Umweltgesetze in den skandinavischen Ländern strenger sind als im südliche-ren Europa. Aber letztlich zeigt das Zertifikat ja auch, was heute bereits alles möglich ist, denn die eingesetzten Techniken sind ja breit verfügbar. Ich kann mir schon vorstellen, dass man neue Märkte schaffen kann, wenn man die Be-fürchtungen der Verbraucher, etwa was unnötige Emissionen angeht, auf-nimmt. Im Automobilbereich ist man da ja schon sehr weit. Zur Fertigung „sauberer“ Möbel braucht es viel Know-how, insofern könnte hier schon eine Chance für smarte Anbieter liegen.
Aber ich weiß nicht, inwieweit die Lage der Möbelhersteller allgemein mit der der Wasserbettenhersteller zu vergleichen ist: Während heute jeder schon ein Sofa hat, gibt es immer noch viele Menschen, die wir von den Vorteilen eines Wasserbetts überzeugen können. Und durch die Öko-Tex-Zertifizierung gibt es jetzt im Prinzip keinen Grund mehr, auf den Komfort eines Wasserbetts zu verzichten.
Redaktion: Bis auf die Angst vor dem ungewollten Zimmerspringbrunnen.
Wiese: Aber da hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan – gerade auch bei uns. Auch hier hat der Weichmacheraspekt eine wichtige Rolle gespielt: Viele frü-her verwendete Substanzen dünsteten mit der Zeit aus der Matratze aus oder wurden in die Wasserfüllung ausgewaschen, wo sie sogar als Nährstoff für Mikroorganismen dienen konnten. Diese „Weichmacherwanderung“ führte dazu, dass ältere Matratzen unter Umständen mit der Zeit spröde werden konnten. Mit der neuen „Rezeptur“ für die Folien, aus denen wir den Kern unserer Mat-ratzen herstellen, haben wir diese Probleme völlig abstellen können - das hat der Produzent des neuen Mesamoll-Weichmachers, Bayer Chemicals, ein Unternehmensbereich der Leverkusener Bayer AG, sogar an langwierigen Bewitterungstests im NordseeKlima nachweisen können. Obendrein lassen sich die neuen - übrigens auch deutlich weicheren - Folien besser verschweißen, so dass wir die Nähte unserer Matratzen, insbesondere an den früher anfälligen Ecken, noch einmal deutlich sicherer machen konnten.
Die neueste Entwicklung sind Folien, die bei gleicher Dicke und Weichheit aus zwei miteinander verschweißten Schichten aufgebaut sind - wenn Sie so wollen ähnlich wie die allerneueste Öltankergeneration, die durch doppelte Außenwände über eine hohe Sicherheitsreserve verfügen. Damit können wir nun auch etwaige Undichtigkeiten durch Materialfehler fast völlig ausschließen. Was natürlich auch wieder der Umwelt nutzt: Langlebige Matratzen vermeiden nun einmal Abfall.
Bei alldem darf man aber nicht vergessen, dass Wasserbetten ja nicht unter Druck stehen. Selbst bei einem kleinen Leck, das höchstens entstehen könnte, wenn man mit dem Schraubenzieher in der Tasche ins Bett springt, sickert also höchstens etwas Wasser hinaus: Zimmerspringbrunnen sind daher sicher nicht zu erwarten.
Redaktion: Nun sind Wasserbetten nicht die einzige Möglichkeit, sich komfortabel zu betten. Wo sehen Sie die wesentlichen Unterschiede zu anderen Konzepten?
Wiese: In der Gesamtpalette der Vorteile, die ein Wasserbett bietet. Wasserbetten las-sen einen ja nicht nur besser Durchschlafen, da sie Druckstellen und „Taublie-gen“ vermeiden. Durch die Entlastung von Muskulatur und Bandscheiben, die mit dem schwerelosen Liegen auf einer warmen Unterlage verbunden ist, lösen sie auch Verspannungen. Auch Allergiker gehören zu den überzeugten Was-serbettkunden der ersten Stunde, weil Hausstaubmilben, die sich gewöhnliche Matratzen zum Lebensraum erkoren haben, in Wasserbettmatratzen keine Chance haben. Zudem sind Wasserbetten sehr hygienisch, da Hautabrieb und Schweiß nicht in die Matratze wandern, sondern bei der regelmäßigen Reini-gung bequem abgewischt werden können.
Und schließlich ist ein auch im Winter immer angenehm warmes Bett ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auch die Erfahrung eines in spezifischer Weise „beweglichen“ Betts möchten viele nicht mehr missen, obwohl man den „See-gang“ durch entsprechende Dämpfungsmaßnahmen natürlich auch nahezu vollständig abschalten kann. Alles in allem bin ich daher sicher, dass das Argu¬mente sind, die sehr für das Wasserbett sprechen – zumal sie inzwischen auch nicht mehr kosten als „konventionelle“ Betten der gehobenen Klasse.
Darum glaube ich übrigens auch nicht, dass der Wasserbetten-Markt so „über-schaubar“ ist: Die Wellness-Aspekte des Wasserbetts und seine wohltuende Wirkung auf die Gesundheit sind unserer Ansicht nach für sehr viel mehr Kun-den interessant, als man heute vielleicht denken mag. In den skandinavischen Ländern setzen bereits viel mehr Menschen auf Wasserbetten als hier.
Fremdmaterial: Presseagentur
Interview: Akva-Wasserbetten
13.02.2007 - 13:16 Uhr