Eine Seefahrt, die ist lustig (Originaltext aus: Öko-Test, Ausgabe Jan/Feb 01)
Seit Hans-Dieter Petersen sein Haupt auf einer Wassermatratze bettet, hat er keine Probleme mehr mit dem Rücken. Er schläft ruhiger und tiefer und wacht morgens erfrischt wieder auf. Auch mit der Liebe klappe es wunderbar: "Man muss sich nicht so anstrengen", erzählt der rüstige Rentner. Und sogar seine drei Dackel mögen das Wasserbett. Wenn sie bei Herrchen Mittagsschlaf halten dürfen, schnarchen sie besonders tief und fest, glaubt der Hundebesitzer beobachtet zu haben.
Seit sieben Jahren schläft Petersen auf Wasser. Anfangs sei das Auf und Ab beim Liegen ungewohnt gewesen. Doch schon nach kurzer Zeit habe er das Schaukeln nicht mehr gespürt. "Wer einmal Gefallen daran gefunden hat, möchte sein Wasserbett nicht mehr hergeben", sagt auch Dieter Brenner, der Inhaber des Bettenstudios Aquacom in Hamburg ist.
Wetten dass...
... Thomas Gottschalk verliert
Von außen sieht ein Wasserbett wie ein ganz normales Bett aus. Innen hat es damit wenig gemein. Die Matratze besteht aus einem Kunststoffsack, der mit Wasser gefüllt wird und in einer Art Badewanne liegt. So landet das kühle Nass in dem Becken statt auf dem Teppich, sollte der Behälter einmal leckschlagen.
Eine solche Panne ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Wetten, dass ein Wasserbett sogar 100 Leute unbeschadet aushält? In seiner Spielshow hielt Thomas Gottschalk dagegen und verlor die Wette haushoch: 6969 Kilogramm konnten dem 2x2,20-Meter-Bett nichts anhaben. In einer Umfrage des holländischen Konsumentenbundes kam allerdings heraus, dass immerhin jedes zehnte Wasserbett einmal im Laufe seines Lebens eine undichte Stelle hat.
70 bis 80 Prozent derjenigen, die sich ein Wasserbett kaufen, leiden unter Rückenschmerzen. Nach Aussagen des Interessenverbandes Wasserbett passt es sich dem Körper besonders gut an. In Rücken-, Bauch- und Seitenlage werde die Wirbelsäule ideal unterstützt. Weil der Druck an den Körperschwerpunkten Becken und Schulter gering ist, könne das Blut zudem gut zirkulieren. So drehe und wende man sich nachts seltener, was als besonders erholsam empfunden werde.
Doch selbst Gerd Rosenberg, Sprecher des Interessenverbandes Wasserbett, räumt ein, "dass jede gute Matratze den Körper unterstützt", egal ob sie nun mit Wasser, Latex oder Federkernen gefüllt ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die Unterlage nicht zu hart und nicht zu weich ist. Beim Wasserbett kommt es deshalb auf die richtige Füllmenge Wasser an, die beim Kauf anhand des Körpergewichts berechnet wird.
3000 Jahre alte Wasserbetten
Wasserbetten sind überraschenderweise keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor 3000 Jahren hatten die Perser mit Pech verklebte, wassergefüllte Ziegenhäute als Nachtlager. Seit dem neunzehnten Jahrhundert werden Wassersäcke in der Krankenpflege benutzt. Der Arzt William Hooper entwickelte 1851 eine "Invalidenmatratze" für bettlägerige Patienten.
Auch heute werden Wasserbetten in manchen Krankenhäusern eingesetzt. Zu früh geborene Säuglinge liegen zwischen großen, mit Wasser gefüllten Handschuhen. So haben sie ein Gefühl wie in Mutter Schoß. Bei Verbrennungen oder Knochenbrüchen erleichtern Wassermatratzen das Liegen. Auf Menschen mit psychischen Erkrankungen wirkt das Wasser beruhigend.
Völlig unbedenklich sind die schunkelnden, glucksenden Schlafstätten keineswegs. Weil man kaltes Wasser beim Schlafen als unangenehm empfindet, wird das Wasser auf 25 bis 30 Grad erwärmt. Ein Wasserbett frisst dadurch etwa so viel Energie wie eine 250-Liter-Kühltruhe. Das kostet monatlich bis zu 15 Mark, oder in den 15 Jahren, die eine Wasserliege in etwa hält, rund 2700 Mark.
Darüber hinaus können beim Heizen elektrische und magnetische Felder erzeugt werden, "die einen Prüfschraubenzieher auf der Wange des Schläfers aufleuchten lassen", fand Öko-Test-Berater Wolfgang Maes heraus. Darum rät Maes, "das Bett tagsüber aufzuheizen, nachts aber den Stecker rauszuziehen". Die Temperatur sinkt in acht Stunden lediglich um ein halbes Grad.
Viele Firmen bieten inzwischen eine Zeitschaltuhr, die nachts die Heizung vom Stromkreis abkoppelt. Das Öko-Wasserbett der Schweizer Firma Aqua Dynamic kommt sogar ganz ohne Strom aus. Eine spezielle Folie, die auch in der Raumfahrt verwendet wird, soll die Wärme des Schläfers reflektieren, so dass er nicht friert.
Wie bei anderen Modellen besteht der Wassersack aber auch hier aus dem Umweltschadstoff PVC. Er kann gesundheitsschädliche Weichmacher enthalten. Wolfgang Maes ermittelte in Räumen, in denen Wasserbetten stehen, hohe Konzentrationen des Weichmachers DEHP im Hausstaub. Er kann Leber und Nieren schädigen und steht im Verdacht, Krebs ausläsen zu können. Von der Europäischen Union wurde er kürzlich für Spielzeug, etwa Babybeißringe, verboten. Alternativen dazu gibt es. Die Firma Akva verwendet ein auch für Lebensmittel zugelassenes Vinyl-PVC, das ohne DEHP auskommt.
In den Schlaf geschaukelt
Wasserbetten kosten zwischen 3000 und 7000 Mark. Es gibt so genannte Hardside- und Softside-Betten. Im letzteren versinkt man beim Ein- und Aussteigen nicht so sehr, das sie rundherum ein festes Polster aus Schaumstoff haben.
Jede Wassermatratze schlägt Wogen, wenn man sich darauf umdreht. Darum sind für Doppelbetten getrennte Matratzen ratsam. Zar gibt es "wellenberuhigte" Modelle, die innen ein Vlies oder kleine Zylinder haben, an denen sich die Wellen brechen. Doch auch darauf schaukelt man ein bisschen.
Für Menschen, die auf natürliche Materialien allergisch reagieren, können Wasserbetten eine Alternative sein. Allerdings sollte man sich vom Hersteller bescheinigen lassen, dass der Wassersack aus einem für Lebensmittel zugelassenen PVC besteht.
Gute Wasserbettenstudios bieten Probebetten zum Testschlafen an.
Wasserbetten Testbericht aus Öko-Test
15.11.2006 - 20:14 Uhr