Mit über 2600 Ausstellern ist die Heimtextil 2012 in Frankfurt zum zweiten Mal in Folge gewachsen. Die Stimmung in der Branche ist gut, und was angesichts des häufigen Wehklagens vieler anderer Wirtschaftszweige vielleicht noch überraschender ist: Sie war nie wirklich schlecht. Damit das weiterhin so bleibt, wurden für dieses Jahr vor allem zwei große Trends ausgerufen: Nachhaltigkeit und Individualisierung..
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Letzteren schätzen die Messeveranstalter als so bedeutend ein, dass sie dazu eine Studie beim Kelkheimer Zukunftsinstitut in Auftrag gegeben haben. Zu den neuesten Entwicklungen zählen demnach Räume und Einrichtungsgegenstände, die einen positiven Einfluss auf Gesundheit und das eigene Wohlbefinden haben. Immerhin 32 Prozent der Menschen würden der Studie zufolge 20 Prozent mehr Geld für Bettwäsche und andere Heimtextilien bezahlen, wenn sie einen gesundheitlichen Zusatznutzen erfüllen würden.
Viele Hersteller haben bereits reagiert und zeigten auf der Messe Produkte, die der gewachsenen Sensibilität der Verbraucher entgegenkommen. Der Anbieter Frau Holle beispielsweise wirbt mit „100% Natur, Ursprung, Reinheit, Qualität“ für seine Bettwaren „made in Bayern“. Auch für die Ibena Textilwerke ist Nachhaltigkeit ein großes, aber auch herausforderndes Thema: „Der Verbraucher ist in der Regel nicht bereit, viel mehr Geld für diese Produkte zu bezahlen“, berichtet Stephan Overbeck, Vertriebs- und Marketingleiter der Ibena Interior Textil GmbH.
Zum zweiten Mal veröffentlichte die Heimtextil neben dem Ausstellerkatalog ein separates Green Directory, in dem Anbieter aufgeführt sind, die ökologische und soziale Verantwortung zeigen. Das Verzeichnis zeigt bei genauerem Hinsehen aber auch ein Problem auf, mit dem viele Verbraucher zu kämpfen haben. Die Basis für die Aufnahme in den Katalog sind „freiwillige Ausstellerangaben und deren Zertifikate“. Von diesen Umweltsiegeln gibt es jedoch mittlerweile sehr viele auf dem Markt, und alle setzen mit unterschiedlich strengen Kriterien an den verschiedensten Punkten der Wertschöpfungskette an. Für den Verbraucher dürfte ohne eingehendes Studium oder hartnäckiges Nachfragen kaum erkennbar sein, welcher Hersteller große soziale und/oder ökologische Anstrengungen unternimmt und welcher lediglich „Greenwashing“ betreibt.
An den im Ink-Jet-Druck hergestellten Motiv-Bettwäschen und –decken scheiden sich die Geister. Der großen Auswahl an Ausstellungsstücken nach zu urteilen scheinen sie immer noch mehr als genügend Käufer zu finden, was unter anderem auch an der Vielzahl an Lizenzprodukten liegen dürfte. Kaum ein Spielzeug oder eine TV-Kinderserie, mit dem beziehungsweise der man nicht auch sein eigenes Bett schmücken könnte. Insbesondere in diesem Bereich ist damit zu rechnen, dass der Trend zur Individualisierung dank der immer preiswerter, gleichzeitig aber auch immer besser werdenden modernen Drucktechnologien hier noch für viele innovative Angebote sorgen könnte. Stichwort: Customizing.
Wirtschaftlich gesehen sieht die Branche keinen Grund zur Klage. „Die Branche ist relativ unabhängig von Krisen und Aufschwüngen“, erklärt Sven Hörning, Verkaufsleiter beim Vredener Bettwäschen-Hersteller Janine. Eine Ausnahme gab es im vergangenen Jahr allerdings schon. Der Baumwollpreis hatte sich im ersten Halbjahr 2011 nahezu verdoppelt, was die Arbeit der Einkaufsabteilungen extrem erschwert hat. Für den Moment hat sich die Lage aber wieder entspannt, so dass die meisten Hersteller mit einem überwiegend positiven Geschäftsverlauf in den kommenden Monaten rechnen.
Autor: David Schahinian
Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Thomas Fedra