Philips untersucht weltweit Schlafgewohnheiten
Das Philips ExperienceLab hat in einer groß angelegten repräsentativen Vergleichsstudie die Schlafgewohnheiten der Menschen in elf Ländern vom westlichen über den asiatischen, den lateinamerikanischen bis zum arabischen Kulturkreis untersucht. Insgesamt wurden über 13.000 Probanden nicht nur dazu befragt, ob sie gut oder schlecht schlafen, sondern auch zu den Gründen dafür. Die Ergebnisse sind interessant und zeichnen einen Schlafatlas, der kulturelle Rückschlüsse zulässt.
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Die Studie wurde von Philips durchgeführt, um eine genauere Arbeitsbasis für die Forschung in den eigenen Schlaflaboren zu haben, in denen nach den Gründen für schlechten oder unzureichenden Schlaf gesucht wird, sowie nach Lösungsmöglichkeiten, um den Schlaf insgesamt zu verbessern. Das ist besonders deshalb schwierig, weil guter Schlaf von zahllosen Faktoren abhängt, beispielsweise von physischer und psychischer Gesundheit, dem persönlichen Wohlbefinden, der Schlafenszeit und den Schlafgewohnheiten, den Umwelteinflüssen, persönlichen Problemen, Arbeitsbelastung, dem richtigen Bett etc.
Neben all dem, worauf sich die Schlafforschung generell stützt sieht Philips auch im Lebensstil an sich einen großen Einflussfaktor auf den Schlaf. Denn je mehr Beruf und gesellschaftliche Zwänge das Alltagsleben bestimmen, desto weniger frei ist auch der Umgang mit dem eigenen Schlaf.
Weltweiter Schlaf – große Unterschiede
Mit Spanien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien ist Europa in der Studie überrepräsentiert, könnte man meinen. Man muss aber bedenken, dass das Gefälle in der Mentalität und der Lebenskultur allein zwischen diesen Ländern schon mitunter beträchtlich ist. Hinzu kommen die USA, China, Japan, Brasilien und die Türkei – womit der arabisch-islamische Raum leider tatsächlich unterrepräsentiert bleibt – aber dennoch interessante Einsichten bietet.
Über die Hälfte (60%) aller Befragten gibt an, gut zu schlafen. Spitzenreiter ist das relaxte Spanien mit gut 75% - am schlechtesten schlafen mit 51% überraschenderweise nicht die Deutschen, sondern die Franzosen. Ganze 5% konnten nicht selbst einschätzen, ob sie gut oder schlecht schlafen.
Aber was ist der Grund für schlechten Schlaf? In Deutschland gaben 55% an, sie schliefen schlecht bzw. zu wenig, weil sie zu spät ins Bett gingen. Interessanterweise gaben das in der Türkei gerade mal 20% an – obwohl es (wie jeder weiß, der die Türkei kennt) dort üblich ist, erst spät zu Bett zu gehen. Die Gründe für diese Diskrepanz untersucht die Studie nicht eingehender, man darf aber vermuten, dass es kulturelle Gründe hat. In Deutschland ist es üblich, nach der Uhr zu leben, was dazu führt, dass man sich oft zum Zubettgehen zwingt allein aus dem Wissen heraus, dass zu einer bestimmten Uhrzeit der Wecker klingelt und man ein gewisses Schlafpensum benötigt. In der Türkei ist es üblicher, dann zu Bett zu gehen, wenn man auch wirklich müde ist. Der wegfallende Zwang allein dürfte – so kann man vermuten – die Schlafqualität verbessern. Vergleichbares darf von Spanien angenommen werden.
Ähnliches lässt sich auch aus anderen Werten lesen. Während in Deutschland alle Jahre wieder über die (bei uns recht moderate) Sommerhitze gestöhnt wird, geben in der Türkei gerade mal 12% hohe Temperaturen als Grund für schlechten Schlaf an. In Belgien und Großbritannien schätzen gut die Hälfte der Befragten ihre Fähigkeit, gut zu schlafen, generell als sehr schlecht ein – in Brasilien sind das gerademal 17%. Etwa die Hälfte aller, die schlecht schlafen, sind überzeugt, dass es an ihnen selbst liegt, was bedeutet, dass sie die Hoffnung auf guten Schlaf schon aufgegeben haben.
Interessant ist, dass diese resignative Einstellung vor allem im wohlstandsgesättigten Westen nachweisbar ist. Frei nach dem Motto: Wenn man keine richtigen Probleme hat, dann macht man sich welche.
Männer und Frauen
Neben dem kulturellen Gefälle gibt es auch signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen. So schlafen laut den Studienergebnissen Männer in der Regel besser als Frauen; in den USA ist der Abstand mit 10% am größten. Die Gründe für schlechten Schlaf erbringen bei Männern und Frauen sehr unterschiedliche Werte. Während beispielsweise in Belgien und den Niederlanden über die Hälfte der Männer zu spätes Zubettgehen bei frühem Aufstehen angeben, sind es nur rund 35% der Frauen mit demselben Grund.
In fast allen Ländern gaben Frauen, die schlecht schlafen, an, dass sie sich viele Sorgen über das machen, was in ihrem Leben geschieht, und dass dadurch ihr Schlaf gestört werde – während zumeist nur eine sehr geringe Anzahl von Männern sich den Schlaf durch Sorgen vermiesen lässt. Und wer glaubt, dass eine patriarchalische Rollenverteilung im Westen auf dem Rückzug ist, der irrt: Auf die Frage, ob auch das Kümmern um die Kinder den Schlaf beeinträchtige, antworteten überwiegend Frauen mit Ja, während das Problem für Männer eher geringfügig ist. Der höchste Wert wurde in Deutschland erreicht, wo sechsmal mehr Frauen als Männer offenbar ihren Schlaf wegen der Kinder unterbrechen. Ein ähnliches Ergebnis bringt die obligatorische Schnarch-Frage: Zumeist werden Frauen dadurch gestört. Einzige Ausnahme ist China: Dort schlafen rund 4% der Männer schlecht, weil ihre Partnerin schnarcht, aber nur 1% der Frauen. Im Gegensatz zu den Männern ist eine Mehrzahl der Frauen zudem davon überzeugt, dass schlechter Schlaf ihr Leben und ihre Gesundheit negativ beeinträchtigt.
Fazit?
In allen Ländern zeigte sich, dass Menschen ab einem Alter von 55 Jahren besser und mehr schlafen als der Durchschnitt. Als Hauptauswirkung schlechten Schlafs wurden in allen Ländern Verschlechterungen der physischen und psychischen Gesundheit wahrgenommen, am stärksten in Japan und den Niederlanden.
Klar ersichtlich ist aus der Studie, dass es starke Gefälle zwischen Männern und Frauen, sowie zwischen den Kulturkreisen gibt. Ob man gut oder schlecht schläft, scheint einiges mit der persönlichen Lebenseinstellung zu tun zu haben, und wie man mit den individuellen Alltagssituationen umgeht.
Gerrit Wustmann