Schlaf ist etwas so Natürliches und Alltägliches, dass es unglaublich erscheint, dass man bis heute nicht sicher sagen kann, warum Menschen und Tiere eigentlich schlafen und wie der Schlaf evolutionsbiologisch entstanden ist. Sicher ist lediglich, dass es in der Tierwelt ganz unterschiedliche Schlafstrategien gibt. So schlafen zum Beispiel Gnus, Rehe, aber auch Kühe und Pferde vorzugsweise im Stehen und legen sich nur auf die Seite, wenn sie sich absolut sicher fühlen. Der Schlaf von Beutetieren wie Zebras gleicht zudem mehr einem leichten Dösen, da sie stets wachsam und zur Flucht bereit sein müssen. Außerdem schlafen sie meist nicht länger als drei oder vier Stunden am Stück. Wissenschaftler vermuten, dass es der Arterhaltung und -regulation dient, dass Raubtiere gewöhnlich länger und tiefer schlafen als Beutetiere.
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Unsere nächsten Verwandten, die Affen und Menschenaffen, weisen ein ganz ähnliches Schlafverhalten auf die der Mensch. Gorilla, Schimpanse und Orang-Utan legen sich hin, machen die Augen zu und schlafen. Laboruntersuchungen haben zudem ergeben, dass sie - ebenso wie der Mensch und die meisten anderen Säugetiere - verschieden Schlafphasen durchlaufen und wahrscheinlich sogar sehr lebhaft träumen. Einzig die Schlafdauer unterscheidet Affen signifikant vom Menschen: Sie schlafen - mit bis zu zwölf Stunden (beim Gorilla) - eindeutig länger.
Fest steht: Menschen und Tiere müssen schlafen. Studien haben gezeigt, dass jedes Lebewesen irgendwann in Schlaf fällt, selbst wenn man es noch so energisch - beispielsweise durch Medikamente - davon abhält. Schlaf ist lebensnotwendig und daher muss er einen zentralen Sinn und Zweck erfüllen. Eine These dazu lautet, dass Lebewesen im Schlaf Energie sparen und der Körper verschiedene Reparaturprozesse durchläuft. Besonders das Gehirn soll davon betroffen sein. Im Schlaf werden demnach Gedächtnis- und Lerninhalte neu strukturiert, sodass Wichtiges im Gedächtnis bleibt und Unwichtiges gelöscht werden kann.
Untersuchungen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, an der Durham University in Großbritannien und der Bosten University School of Medicine haben zudem ergeben, dass die Schlaflänge verschiedener Säugetiere mit ihren Abwehrkräften sowie dem Befall mit Parasiten korreliert. Die Schlafspanne bewegte sich zwischen vier Stunden beim Rind und 17 Stunden beim Igel, wobei die Konzentration mit weißen Blutkörperchen im Blut der Tiere mit jeder Stunde Schlaf zunahm. Je höher die Konzentration weißer Blutkörperchen, desto höher die Abwehrkraft des Immunsystems.
Ebenfalls positiv wirkt sich den Studien zufolge eine längere Schlafspanne auf den Parasitenbefall aus. Die beteiligten Forscher gehen davon aus, dass der Schlaf im Laufe der Evolution die Funktion der Abwehrstärkung übernommen hat und dass längere Schlafphasen somit tendenziell gesünder sind. Die Schlafspanne der Menschen (vorwiegend in den Industrienationen) hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Aufgrund ihrer Untersuchungen vermuten die Forscher nun, dass sich diese Entwicklung negativ auf das Immunsystem auswirken wird.