Historischer Roman über Charles Dickens

Dan Simmons: Drood


Das Geheimnis des Edwin Drood

Drood von Dan Simmon„Das Geheimnis des Edwin Drood“ war der letzte Roman, an dem Charles Dickens vor seinem Tod 1870 arbeitete – er hat es nie vollendet. Seither ranken sich zahlreiche Theorien um die Frage, wie das Schicksal von Drood ausgehen sollte. Dan Simmons hat daraus einen großartigen historischen Roman gemacht, der von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert. Allerdings ist Vorsicht geboten: Wer dieses Buch im Bett liest, der wird eine kurze Nacht erleben – denn es ist schwer, es wieder aus der Hand zu legen.


- Anzeige -

Im Jahr 1865 überlebt Charles Dickens – damals der berühmteste Schriftsteller Englands – bei Staplehurst einen Zugunfall, bei dem zahlreiche Menschen sterben. Noch am Unglücksort begegnet ihm eine seltsame Gestalt, die sich als Edwin Drood vorstellt. Fortan lässt Dickens dieses Erlebnis nicht mehr los. Er ist besessen von diesem Drood und versucht, ihn in den Slums von London ausfindig zu machen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Dickens’ Freund und Kollegen Wilkie Collins, mit dem zusammen er mehrere Werke verfasste und eine Zeitschrift herausgab. Zeitlebens stand Collins ins Dickens Schatten. Seine bissige Sicht auf den „Unnachahmlichen“, wie Dickens von seiner Umgebung genannt wurde, ist amüsant. Aber nicht nur Dickens ist hinter Drood her, sondern auch ein alternder Privatdetektiv, der Collins mehr und mehr in die Enge treibt – als hätte dieser mit seinem häuslichen Doppelleben und seiner Opiumsucht nicht schon genug Probleme am Hals.

Simmons, der bereits mit dem Weltbestseller „Terror“ über die Arktis Expedition John Franklins 1845 bewiesen hat, wie faszinierend und minutiös er historische Ereignisse aufarbeiten und sie mit Fiktion verweben kann, legt hier einen großen, mit fast 1000 Seiten überbordenden Roman vor, der den Leser zu keinem Zeitpunkt langweilt. Die Doppelbiographie der Romanciers Dickens und Collins zeichnet eindrucksvolle Charaktere vor dem Setting Londons im neunzehnten Jahrhundert. Ob es um die Oberflächlichkeit der feinen Gesellschaft geht, die Leiden der Dichter oder die schummrige Atmosphäre in den Rotlichtvierteln an der Themse – Dan Simmons entfaltet ein vielschichtiges und tiefgründiges Panorama einer noch gar nicht allzu lang zurückliegenden Zeit.

Und über all dem steht die Frage, die bei Dickens selbst ungelöst geblieben ist: Wer ist Edwin Drood? Existiert er überhaupt? Ist er ein Mensch? Ein Geist? Ein Symbol für den Geisteszustand seines Schöpfers? Dan Simmons lässt dem Leser viel Spielraum und die Gelegenheit, diese Frage für sich selbst zu beantworten – bis hin zum fulminanten Endes eines Buches, das Lust auf mehr macht.

Dieses Buch bei Amazon bestellen:
Drood: Roman