Kulturgeschichte des Bettes

Joachim Becker: Wenn unser Bett erzählen könnte


Neues Buch über die Geschichte des Bettes

Immer wieder erscheint Fachliteratur rund um das Bett und seine Geschichte. Das bisher beste und stilistisch ansprechendste Werk dieser Art ist zweifellos Anthony Burgess’ „Wiege, Bett und Recamier“. Das neuste Werk legt nun Joachim Becker vor – und verspricht, das Thema so umfassend wie nie zuvor zu behandeln.


- Anzeige -

Joachim Becker, Jahrgang 1936, stammt aus der Branche. Sein Leben lang hat er sich mit Betten befasst. Da ist es nur folgerichtig, wenn einer wie er ein Buch zum Thema schreibt. Und das Inhaltsverzeichnis sieht auf den ersten Blick tatsächlich nicht uninteressant aus: Ausgehend von der Frage, was ein Bett ist und wer es erfunden hat, arbeitet er sich durch die Geschichte vor – von den antiken Kulturen ca. 4000 v. Chr über die europäischen Kulturen ab ca. 1000 v. Chr. ins Mittelalter bis hinein in die Neuzeit; fernöstlichen Bettkulturen widmet er ein eigenes Kapitel, ebenso wie der bäuerlichen Bettkultur und dem Soldatenbett; hinzu kommen Unterabschnitte über die verschiedenen Bettformen vom Brautbett über Doppelbett, Himmelbett, Krankenbett und Wasserbett bis hin zum Klappbett und weiteren Liegemöbeln.

Auch Decken und Kopfkissen erfahren Aufmerksamkeit, und abgerundet wird das Oeuvre mit Betten in Kunst, Malerei, Märchen und Sagen sowie Kapiteln über „Ungewöhnliche Betten“, „Bettarbeiter“, „Schlafgänger“ und sogar (kein Scherz) „Schlafgewohnheiten von Prominenten“. Spätestens hier und noch vor den Sprichwörtern und Redensarten beschleicht einen das Gefühl einer thematischen Zerfaserung, die das Wichtige nicht vom Belanglosen zu trennen imstande ist, und der Schein trügt leider nicht.

Obwohl Becker offensichtlich intensiv recherchiert und unzählige Quellen zusammengetragen hat, aus denen er auch ausführlich zitiert (und die auch durchaus interessante und so bislang noch nicht kompilierte Informationen enthalten), will sich der Anspruch des Werkes nicht so recht erfüllen. Das mag den Umständen der Veröffentlichung geschuldet sein. Schlafen Aktuell stellte der Autor Auszüge zur Verfügung. Das Buch (das über 300 Seiten umfasst) soll im August für knappe fünfzig Euro in einer Auflage von gerade mal einhundert Exemplaren im Privatdruck erscheinen. Da steht kein Verlag dahinter, der ein professionelles Korrektorat und Lektorat übernommen hätte, und dementsprechend ist leider das Ergebnis.

Der Stil ist holprig und unsicher, der unkoordinierte Satzbau in Kombination mit zahlreichen orthographischen und grammatikalischen Fehlern trübt den Lesefluss immens, und zu guter letzt leidet das ganze Projekt an der dilettantischen Textstruktur: Anstatt die Rechercheergebnisse in einem Fließtext ansprechend und mit dem nötigen kritischen Abstand zu den Quellen informativ aufzubereiten, wird oft nur ein Zitat an das andere gereiht. Obwohl viel umfassender und sorgfältiger erarbeitet leidet auch dieses Werk unter dem Manko, das schon bei Mick Welters Wasserbettenbuch auffiel: Zu oft werden Details angestoßen und dann nicht weiter ausgeführt, oder wichtige Informationen fallen gleich ganz unter den Tisch. Da heißt es zum Beispiel im Wasserbett-Kapitel, eine Forschungsgruppe aus Köln hätte die Technik wesentlich weiterentwickelt. Inwiefern sie das getan hat, erfährt der Leser nicht.

Fazit von Schlafen Aktuell: Gute Idee, intensive Recherche, mangelhafte Ausführung. Wer dennoch Interesse hat, der kann das Buch unter www.geschichte-des-bettes.de vorbestellen.