Schon viel wurde geschrieben über die Kultur des Liegens, des Schlafens, des Sich-bettens, und bis dato reicht kein Buch an Anthony Burgess „Wiege, Bett und Recamier“ heran – auch dieses nicht. Dennoch ist Bernd Brunners „Kunst des Liegens. Handbuch der horizontalen Lebensform“ ein netter Begleiter rund um alle liegenden Tätigkeiten.
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Da wir gut ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen und einen noch größeren Anteil der Gesamtlebenszeit liegend ist es nur allzu verständlich, dass dieser Haltung eine Menge Literatur gewidmet und sie auch kulturgeschichtlich untersucht wird. Bernd Brunners Beitrag hierzu erhebt allerdings ebensowenig wie seine anderen Werke den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, sondern ist eher eine unterhaltsame Anekdotenlektüre für Zwischendurch. Und wenn man darüber hinwegsehen kann, dass der Text mit Belanglosigkeiten und Selbstverständlichkeiten künstlich in die Länge gezogen wird, erfährt man das ein oder andere Wissenswerte.
Brunner gelingt der Versuch, nahezu jeden noch so abseitigen Aspekt des Liegens mit einem eigenen Kapitel zu bedenken. Neben dem Offensichtlichem – dem Schlafen, den unterschiedlichen Bett- und Sofasystemen und der richtigen Liegehaltung sowie Schlafstörungen und deren Ursachen – betrachtet er das Liegen in der Kunst und Literatur, das Liegen in Alltag und Freizeit und sinniert über natürliche und unnatürliche Körperhaltungen ebenso wie über Sinn und Unsinn pseudowissenschaftlicher Versuche, anhand der Liegehaltung etwas über die Persönlichkeit eines Menschen zu erfahren. Um die Liegegewohnheiten von Kindern, Erwachsenen und Alten geht es ebenso wie um das gemeinsame Liegen und die Varianten, wie Paare miteinander, nebeneinander, aufeinander liegen können und ob das etwas über die Stabilität ihrer Beziehung aussagt.
In Plauderlaune erzählt Brunner von den orientalischen Ursprüngen der Liegekultur wie vom Arbeiten und Essen im Liegen (und den Nachteilen, die das zwangsläufig mit sich bringt) und vom genesenden Liegen im Krankenbett und versucht, eine Körperhaltung, die vom Anruch der Faulheit verfolgt wird, zu rehabilitieren. Damit rennt er freilich offene Türen ein. Für alle, die sich mit dem Thema noch nicht eingehender befasst haben, ist Brunner eine kurzweilige Einstiegslektüre. Allen anderen sei erneut der eingangs erwähnte Burgess empfohlen, der hoffentlich bald neu aufgelegt wird, denn derzeit ist er nur antiquarisch erhältlich.
Bernd Brunner „Die Kunst des Liegens. Handbuch der horizontalen Lebensform“, Galiani Berlin, 170 Seiten, Hardcover, 16,99 Euro
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Autor: Gerrit Wustmann |