Von Paris an die Cote d’Azur: Ein Tango-Roman

Eine alptraumhafte Liebesgeschichte mit Tango


Elmar Ferber: Der Tangotänzer

Elmar Ferber: Der TangotänzerVon Paris an die Cote D’Azur zur Zeit der Filmfestspiele in Cannes – Elmar Ferbers Roman "Der Tangotänzer oder Die Seufzer des Bandoneons" entfaltet vor mittsommerlicher mediterraner Kulisse einen hintersinnigen Kampf der Geschlechter, in dessen Zentrum der Tango steht, der sowohl der Liebe als auch dem Krieg symbolisch Ausdruck verleiht.


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Es gibt sie noch, die kleinen Bücher, die in kleinen Verlagen erscheinen und sich schon beim ersten Reinlesen als wunderbare Lektüre erweisen – so auch der Roman "Der Tangotänzer oder Die Seufzer des Bandoneons" des Kölner Schriftstellers Elmar Ferber (1944-2007). Das Buch erzählt von vielen ganz besonderen Drogen: Der Ich-Erzähler ist nicht nur Raucher und liebt guten Bourbon in einer heißen Sommernacht, nein, da ist auch noch seine Sucht nach Leben, und die drückt sich aus in seiner oft verhängnisvollen Liebe zu charismatischen Frauen und der Liebe zum Tanz. Gemeint ist der Tango, dieser tänzerische, hocherotische Kampf der Geschlechter zu den melancholischen Klängen eines Bandoneons.

Der Roman beginnt in einer Tanzkaschemme in Montmartre, Paris. Es ist Hochsommer im Künstlerviertel, und der Erzähler streift umher und kämpft mit einer deftigen Midlife-Depression, die er im Alkohol zu ertränken versucht. Er sehnt sich nach Liebe und scheint doch unfähig zu sein für dauerhafte Beziehungen, und so stolpert er von einer Affäre in die nächste, mit Frauen, die seine Töchter sein könnten. Zwei junge Frauen treten an diesem Abend in sein Leben, und am nächsten Morgen ist eine von ihnen tot. Mit den Mitteln des Kriminalromans erzählt Ferber eine tragische Liebesgeschichte, die unweigerlich in die Katastrophe führen muss. Und immer sind es die Frauen, die dem Protagonisten zum Verhängnis werden. Die Siebzigjährige Vicki beispielsweise, deren Avancen er zwanzig Jahre zuvor in Buenos Aires abgewiesen hatte. Und nicht zuletzt die Tänzerin Seija.

An der Cote d’Azur zur Zeit der Filmfestspiele wird ihm die Hauptrolle in einem Tango-Epos angetragen, an Seijas Seite. Doch Seija ist undurchschaubar, der Erzähler verfällt ihr, wie schon so viele Männer vor ihm. Die Zweiundzwanzigjährige scheint ein Abbild von Wedekinds Lulu zu sein, ein Inbegriff männlicher Phantasie. Wider besseres Wissen macht ihr der Ich-Erzähler einen Antrag, ohne zu ahnen, welch dunkles Geheimnis Seija verbirgt – und auch Vicky hat noch eine Rechnung offen…

"Der Tangotänzer" ist Ferbers einziger Roman – einen weiteren konnte er nicht mehr fertig stellen, bevor er starb. Wie auch in seinen Kurzgeschichtensammlungen "Alissa" und "Champagner und Calvados" erweist er sich als ein anregender Erzähler, der stets den kleinen Intrigen, den ewigen Kämpfen und den Zwischentönen menschlicher Beziehungen auf der Spur ist, die sich nicht selten als das größte Kriegsgebiet der Welt erweisen.

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Der Tangotänzer oder Die Seufzer des Bandoneons