Simmons’ Fortsetzung zu "Sommer der Nacht"

Wohliger Grusel im Winter von Dan Simmons


Dan Simmons: Im Auge des Winters

Dan Simmon: Im Auge des WintersDan Simmons ist ein Autor, von dem Stephen King einmal gesagt hat, dass er ihn beneidet. Faszinierend ist seine Vielseitigkeit: Mit "Hyperion" schuf er einen SciFi-Meilenstein, mit "Olympos" nahm er sich der griechischen Mythologie an, er schrieb gesellschaftskritische Romane, Agententhriller und mit "Sommer der Nacht" einen der besten Horrorschmöker der 90er. Mit "Im Auge des Winters" knüpft er an diesen Erfolg an.


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Der Roman ist aus der Perspektive eines Toten erzählt. Das ist nicht wirklich neu, das hat auch Edgar Allan Poe schon gemacht, aber in diesem Fall hat es etwas Augenzwinkerndes, denn der Tote ist einer der Protagonisten des Vorgängerromans "Sommer der Nacht", und er starb darin auf recht unappetitliche Weise unter einem Mähdrescher. Damals waren sie noch Kinder – die letzte Klasse vor der Schließung der Grundschule von Elm Haven, in der sich üble Dinge abspielten. Das Buch wurde damals mit Kings "es" verglichen.

"Im Auge des Winters" (Originaltitel "A Winter Haunting") spielt vierzig Jahre später. Dale Stewart ist inzwischen Schriftsteller, erfolgreich, aber glücklos, und obwohl er sich an die Ereignisse des Sommers 1960 kaum noch erinnert, drängt es ihn, nach Elm Haven zurückzukehren, in die Stadt, in der er aufgewachsen ist. Der Erzähler Duane hat zumindest eine Ahnung, dass Dale nicht gänzlich aus freien Stücken in das verschlafene Nest kommt, in dem sich nur wenig verändert hat. Und in dem auch jene schreckliche Mordserie aus den 60er Jahren noch immer nicht aufgeklärt ist.

Ausgerechnet ins Haus von Duanes Eltern, das an deren alten Bauernhof grenzt, zieht Dale, und sein Bett schlägt er im Keller auf und erinnert sich: Hierhin hatte Duane sich vor seinem Tod zurückgezogen, hatte quasi hier gelebt, in diesem düsteren, verwinkelten, modrigen Verlies, an dessen Ende ein alter Kohleverschlag liegt, aus dem des Nachts ein unheimliches Scharren dringt. Dale ist überzeugt, dass ihm seine Einbildung Streiche spielt, er ist einer Depression nahe, hat eine Schreibblockade und zweifelt daher auch an seiner Wahrnehmung. Auch, als auf seinem Computerbildschirm scheinbar Nachrichten aus dem Jenseits auftauchen, und auch, als er Geräusche hört im oberen Stockwerk, das seit vierzig Jahren verlassen ist. Irgendwann wird er sich oben umsehen, sagt er sich, doch da ist es bereits zu spät. Erst langsam begreift Dale, wer die Leute sind, mit denen er in der Zwischenzeit Bekanntschaft gemacht hat. Die Vergangenheit holt ihn ein.

Mit "Im Auge des Winters" ist Simmons ein höchst unterhaltsamer Roman mit hohem Gruselfaktor gelungen, der zudem stimmungsvoll die Erinnerungen an die Kindheit in der Mitte des Lebens einfängt. Umso spannender ist das Buch zu lesen, wenn man den ersten Teil kennt, denn erst dann entfalten all die kleinen Anspielungen und Verweise ihre richtige Wirkung.

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