„Weck mich am Arsch!“ – das denkt sich wohl so mancher Langschläfer, wenn er wieder mal von notorischen Frühaufstehern terrorisiert wird. Autor Ralf Prestenbach hat unter diesem Titel nun ein „Handbuch für Langschläfer“ (Heyne Verlag, 190 Seiten, 8,99 Euro) veröffentlicht, das sich auf vergnügliche und unterhaltsame Weise des Themas annimmt und zugleich eine Rehabilitierung der Eulen fordert.
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Wir leiden in Deutschland unter massiver Unterdrückung durch Frühaufsteher. Früh aufzustehen gilt hierzulande noch immer als Tugend, Langschläfer ist ein negativ besetzter Begriff, er wird mit Faulheit gleichgesetzt. Dabei ist doch wissenschaftlich längst belegt, dass das Unsinn ist. Verantwortlich für den Schlafrhythmus, die sogenannte Innere Uhr, sind die Gene. Zwar kann man sich zwingen, früh das Bett zu verlassen, doch gesund ist es nicht, gegen den eigenen Biorhythmus zu leben. Überhaupt besteht nicht einmal ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus „echten“ Lerchen, also Frühaufstehern.
Doch frei nach Volks“weisheiten“ wie „Morgenstund hat Gold im Mund“ oder „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ quälen sich zig Millionen Deutsche allmorgendlich schlaftrunken aus dem Bett – in die Schule, ins Büro, in den Urlaub usw. Dass sie ihrem Körper damit nachhaltig schaden, ist vielen gar nicht bewusst. Denn dauerhafter Schlafmangel beeinträchtigt die Gesundheit und schwächt das Immunsystem. Dass „Langschläfer“ so negativ konnotiert sind, dafür findet Ralf Prestenbach eine eindeutige Erklärung: Neid. Es ist der Neid all der unfreiwilligen Frühaufsteher auf jene, die ihre Nachtruhe wirklich genießen können. Hinzu kommen Menschen, die von Kindesbeinen an darauf konditioniert wurden, dass frühes Aufstehen gut sei.
Prestenbach stemmt sich dagegen. Er verweist auf unsere Nachbarländer, wo die Schule nicht um 8, sondern erst um 9 Uhr beginnt, wo es (in Dänemark) gar Langschläferklassen gibt (Unterrichtsbeginn um 12.30 Uhr!). Augenzwinkernd und mit viel Humor macht er sich an die Rehabilitierung des Morgenmuffels – der nur dann muffelig ist, wenn man ihn zur Unzeit aus den Federn schmeißt. Er analysiert die Fallstricke, die unsere Gesellschaft für Eulen bereithält, und was man beachten sollte, wenn man seiner Nachtruhe nicht beraubt werden möchte. „Weck mich am Arsch“ macht allen Mut, die sich morgens nochmal umdrehen und weiterschlafen wollen, listet passende Eulenberufe ebenso wie ermunternde Frühstücksrezepte für Ausgeschlafene und die Geschichte des modernen Folterinstruments schlechthin: des Weckers. Abgerundet wird das Ganze durch Interviews mit prominenten Langschläfern von Katrin Bauerfeind über Bernd Kurtztke von den Beatsteaks bis hin zu Jürgen Drews.
Eine wunderbare Sommerlektüre, aber Vorsicht: Wenn man dieses Buch im Urlaub liest, wird man am ersten Montagmorgen nach den Ferien mit einem revolutionären Bewusstsein erwachen … oder besser: ausschlafen.
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Autor: Gerrit Wustmann |