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Alt 04.01.2008, 14:33
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Ingrimmsch Ingrimmsch ist offline
Moderator Röntgenabt.
 
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Hallo

Da ich meine Ausführungen zu diesem Thema immer wieder neu schreibe hänge ich meine Meinung mal dazu hier einmal an. Ist ein wenig Text, der sich aber sicherlich lohnt.

Erklärung zuerst:
LS = Lendenstütze oder Lordoseunterstützung
WBett = Wasserbett
LWS = Lendenwirbelsäule


Händler haben in aller Regel (leider) keinerlei anatomisches Grundwissen und auch keine Kenntnisse von Krankheiten im Rücken. Das führt dann schnell zu der Ansicht "Rückenprobleme benötigen die Lendenstütze" und ähnlichem. Also nichts einreden lassen, sondern testen, testen, testen. Nur das Gefühl zählt letztlich.

Es gibt auch Händler/Verkäufer die mit dem Thema gut umgehen, das möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen. Ich selber habe mit einem solchen den Test gemacht. Ein Bett getestet wo eine Seite eine LS hatte, eine nicht, bei gleicher Beruhigung und Befüllung. Für mich traf zu das ich auf einer Seite nicht glücklich wurde. In Rückenlage ging es noch, in Seitenlage zwackte es. Nachher kam raus... die Seite mit der LS war es. Meine Freundin konnte da hingegen keinen Unterschied feststellen.

Vorweg zum Test:
Am besten ist es, das der Interessent, also Ihr, in einem Bettenshop ganz ohne Vorwissen die Betten testet. Also ohne zu wissen welche Beruhigung das ist und ob eine Lendenstütze drin ist oder nicht. Dann merkt man schon was einem liegt und was nicht. So bekommt man auch raus welche Beruhigung einem liegt.

Da die Lendenstütze (LS) ein wenig das Becken stützt kommt das Wbett vom Gefühl her ein wenig mehr dem bisher gewohnten normalen Bett. Daher ist es erst mal nicht ungewöhnlich das man das auf den ersten Moment besser findet. Also... etwas länger antesten. Zwickt es, sein lassen. Das wird auch nicht mit der Zeit besser oder so.

Das Problem der Proportionen:
Aus orthopädischer Sicht ist die Lendenstütze im Wbett mehr als fraglich. Das Problem ist, das jeder Körper, auch bei gleicher Körperlänge, eine unterschiedliche Proportion in den Körpermaßen aufweißt. Das heißt unterm Strich, das jeder seine Lendenwirbelsäule (LWS) auf einer anderen Höhe hat.

Beim Wbett wird nun von einem "Durchschnitts mass" an Körpergröße ausgegangen und die Lendenstütze nun an einen Ort eingebaut, wo man denkt das so in etwa die LWS liegen könnte. Das haut aber schon mal anatomisch selten hin.

Dazu kommt das man sich selten immer perfekt passend ins Bett legt, geschweige denn ruhig im Bett die ganze Nacht über liegen bleibt. Also ist die Lendenstütze selten an dem für den einzelnen User korrekten Ort.

Weiter gehts mit der Breite des Stütze. Wie schon bei der Höhe des LWS ist auch der Abschnitt der LWS bei jedem anders breit. Die Stütze wird Pi mal Daumen in der Breite bemessen und das passt dann auch selten zur Höhe der LWS.

Liegt die Lendenstütze zu hoch, zu tief und/oder ist sie zu breit dann liegt das Becken oder der Brustbereich auf der Stütze auf und die Wirbelsäule ist fehl belastet. Das kann, gerade bei Rückenpatienten zu Problemen führen wo man sich dann wundert das man nicht gescheit liegen kann und die Füllmenge nie trifft.

Problem, Anatomie der Lendenwirbelsäule:
Kommen wir zum nächsten Problem. Die LWS ist in einer sogenannten Lordose gebogen. Also zum Bauch hin. Diese natürliche Biegung soll die Lendenstütze eigentlich unterstützen. Das klappt aber anatomisch korrekt ausschließlich in der Rückenlage. In Seitenlage passt das eigentlich orthopädisch gar nicht da die Wirbelsäule hier keinen "knick" macht. Und wer Hüftspeck hat, hat nicht mal eine Taille wo die Lendenstütze Platz findet und so die "Biegung" direkt auf die Wirbelsäule durchdrückt. Seitlicher Druck auf die Wirbelsäule entsteht. Das ist gar nicht gut.

Oftmals kommt das Becken in Seitenlage auf der Lendenstütze zum liegen und dann sinkt es nicht genug ein. Die LWS knickt ab... was das heißt kann sich jeder denken. Das gleicht dann dem Problem das wir haben, wenn die Füllmenge zu hoch ist.

Die Lordose ist nicht standardisiert:
Die Lordose, also die Biegung der LWS, ist bei jedem anders. Menschen mit Hohlkreuz haben eine übermäßige Lordose und es gibt auch Menschen mit einer zu steilen LWS, also einer zu geraden Variante. Die Stütze ist nicht anpassbar und damit kann das die selten passen.

Die Beruhigung hat Auswirkungen auf die Lendenstütze:
Je stärker die Beruhigung, desto mehr kommt die Lendenstütze zu tragen und um so mehr kann es zu Problemen kommen, bzw. sich diese verstärken. Bei geringer Beruhigung schlägt die LS nicht so sehr ins Gewicht, da ja weniger Vlies im Kern ist.

Ausnahmen:
Bauchschläfer und Nutzer mit hohem Körpergewicht profitieren jedoch oftmals sehr von der Lendenstütze. Aber auch hier muss getestet werden, denn wie immer, der Test zeigt wie es ist.

Zusammengefasst:
Einige Punkte und erst recht eine Kombination verschiedener Punkte kann unter Umständen nicht nur unbequem sein sondern sogar mitunter bei entsprechender Veranlagung, Vorschädigung Probleme hervorufen oder bestehende Probleme nachhaltig verstärken.

Fassen wir zusammen:
- Die Lage der Stütze passt selten
- In Seitenlage kann es zu Seitenbelastung oder Fehlstellung der Wirbelsäule kommen
- die Stütze ist nicht anpassbar an die Lordose des Nutzers
- vorhandene Probleme können nachhaltig verstärkt werden
- Bauchschläfer und "kräftigere" Nutzer können von der LS profitieren
- die Beruhigungsstufe hat Auswirkungen auf die LS

Wichtig:
Klar sollte hervorgehoben werden, das man lieber auf die Lendenstütze verzichten sollte, wenn man das Bett vorher nicht ausgiebig testen kann. Hat man bereits Rückenprobleme oder aber eine Schädigung der Wirbelsäule sollte man ohne praktischen Test niemals zur Lendenstütze greifen.

Ich stehe aus meiner beruflichen Sicht der Lendenstütze, so wie sie im Wbett zum Einsatz kommt, sehr skeptisch gegenüber. Nur eine anpassbare (in der Lage und Dicke) Lordoseunterstützung ist eine orthopädisch sinnvolle und unbedenkliche Hilfe. Alles andere enden schnell in Zwangshaltungen die der Wirbelsäule nicht helfen oder gar bei entsprechenden Bedingungen u.U. sogar schaden kann.

Zu guter letzt.... ein Wbett basiert auf dem Prinzip das man auf Wasser schläft und quasi frei "schwebt". Nun baut man ein Schaumstoff/Vliesgebilde in den Kern wo man den Körper wieder aufliegen lässt. Das widerspricht allein schon dem Prinzip des WBettes. Das ist für mich aber keines meiner tragenden Argumente. Je mehr Beruhigung desto mehr liegt man eigentlich auf. Vollberuhigt mit LS, kann einem damit schon nicht umsonst wie ein normales Bett vorkommen

Letztlich ist dann noch das Problem, das das Gro der WBettverkäufer keinerlei anatomische, pathologische (Lehre der Krankheiten) oder orthopädische Kenntnisse haben. Sie gehen nur nach "Verkaufsargumenten" wo dann schnell generelle Leitsätze zum tragen kommen die völlig falsch sind und dem Rückenpatienten sogar schaden können.

Nein! Ein Bandscheibenpatient braucht nicht zwingend eine starke Beruhigung oder zwingend eine Lendenstütze. Beides ist generell in dieser Formulierung falsch.

Hinweis: Das ist meine persönliche Meinung wie man sicher lesen kann und es soll sensibilisieren, aber nicht das nun jemand in den Laden rennt und meint das die LS generell Mist ist. Nein, so ist das nicht gemeint.

Ich habe kürzlich eine nette, lebhafte und gute Diskussion mit einem Händler meines Bettenherstellers in dieser Sache, mit praktischem Test, gehabt. Das habe ich auch zum Anlass genommen meinen Text zu überarbeiten, einige Ansichten zu relativieren.
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Liebe Grüße
Ingrimmsch

Mein Pool: Harmony,200x220 Dual,DEKOR-System/Luxus (23cm),Beruhigung: 100+/70%, Calesco digital, Airtrennwand, Supremeauflage.


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Geändert von Ingrimmsch (29.01.2008 um 21:54 Uhr). Grund: Überabeitung, Anpassung, Erweiterung
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