Neues von Akva und T.B.D. / Tasso und Blutimes fehlten
Die Wasserbettenbranche war auf der imm cologne 2010 weitaus dünner präsent als noch im Vorjahr. Dadurch wurde zumindest die Individualität gestärkt - große Neuheiten gab es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dennoch nicht zu entdecken. Der Einfallsreichtum bei der Standgestaltung war größer. Vielleicht liegt das daran, dass es schwer ist, ein relativ ausgereiftes Produkt noch zu verbessern.
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Vielleicht ist aber auch genau das falsch. Der Versuch, immer Neues zu bringen, um die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, gleicht mitunter schon einem Wahn, der seltsame Blüten trägt (siehe auch "Merkwürdige und absurde Features"). Wenn jeder behauptet, das beste, umweltfreundlichste, gesündeste Produkt zu verkaufen, wird es irgendwann langweilig, weil es zu Recht niemand mehr glaubt. Hersteller wie das Familienunternehmen Wohnform aus Groß-Bieberau stechen da positiv hervor: ganz ohne Bombast, aber mit viel Bescheidenheit und Gemütlichkeit inszeniert das Ehepaar Ludwig sein Wasserbett auf der Messe. Da können die immergleichen „Wir sind die Größten“-Werbeagenturen noch einiges von lernen.
Originell war auch die Präsentation von Aquasurround. Der Hersteller hat sich auf Feature-beladene Klangwasserbetten spezialisiert - eine Technik, die inzwischen auch von anderen übernommen wurde. Das Wasserbett als Erlebnisraum samt Fernsehbildschirm, BluRay-Player und Spielekonsole, das Klangvibrationen durch den Wasserkern überträgt und dem Nutzer eine besondere Form der Massage gewährt. Zugegeben, neu ist die Idee auch nicht mehr, aber wenigstens ist sie originell und auf der Höhe der digitalen Zeit. Wenn die Welt da draußen ungemütlicher wird, kann man sich immer noch in eine virtuelle Konsumrealität flüchten. In einer Art Dunkelkammer mit Perlenvorhang und Sternenlichterspiel an der Decke konnte man die Erfahrung erproben. Es ist eine Spielerei, aber eine nette. Allein ist Aquasurround damit schon seit mehreren Jahren nicht mehr. Flatscreens im Bett gehören bei einer ganzen Reihe von Herstellern zum festen Programm, und ein Klangwasserbett bieten auch die Dänen von AKVA an (wenn auch nicht auf der Messe - dort ist die Hauptattraktion in diesem Jahr die Kooperation mit dem Photovolktaik-Hersteller Conergy (siehe auch "AKVA Solar"). Auch Profine klotzt mit Multimedia.
2009 hatte Nicola Ludwig von Wohnform den zahlreichen Billiganbietern ein schweres Jahr vorausgesagt. "Es wird tatsächlich weniger", sagt sie 2010. Die Menschen würden offenbar erkennen, dass sich Qualität eben doch lohnt. Tatsächlich ist auch das Angebot auf Onlineplattformen wie eBay dünner geworden. Einige "Geiz-ist-geil"-Händler seien inzwischen mächtig auf der Nase gelandet, heißt es bei Insidern. Dennoch postierte sich Starlight Wasserbetten mit überraschend niedrigpreisigen Angeboten bei weiter hohen Qualitätsansprüchen. Ob diese Versprechen (auch hier erklangen Superlative) eingehalten werden können, wird sich zeigen. "Trotzdem eines der wenigen soliden Labels in dieser Preisklasse", sagt Michael Babilinski. Überraschenderweise war auch ESP Waterbeds aus den Niederlanden vor Ort, ein Importeur, der eine Zeit lang in der Versenkung verschwunden zu sein schien. Unter ESP firmieren die Labels LunaRest und Poseidon.
Mit Tasso und Blutimes fehlten gleich zwei große Aussteller (Hülsta war überraschenderweise auch nicht da, aber das nur am Rande - hier geht es um Wasserbetten), auch Bellvita war nicht gekommen, um nach der smartsleep-Insolvenz die neue Marke silversleep vorzustellen. Der Tasso-Stand war schon 2009 geschrumpft, man musste erst im Messekatalog nachschlagen, um sicherzugehen, dass man ihn nicht einfach übersehen hatte. Wie aus Branchenkreisen missmutig zu vernehmen war, waren aber alle Abwesenden auch ohne eigene Präsentation präsent - und sollen versucht haben, Kunden zu angeln. Kein eigener Stand, aber trotzdem mitmischen? "Schweinerei", kommentierte ein Händler.
Gerrit Wustmann