Coole Menschen haben Wasserbetten - Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 1
Und ich sag‘s noch.
Vor ihrer Haustür. Als sie den Schlüssel aus der Tasche nimmt.
„Agnes, denk noch mal nach. Ist das klug, was wir hier machen?“
„Was heißt hier klug? Wir wollen es doch schön haben. Und ich will.“
„Bist du sicher, daß dein Mann in Frankreich ist?“
„Klar. Ich hab vorhin mit ihm telefoniert.“
„Hast du ihn angerufen, oder er dich?“
„Er mich. Wieso?“
„Nur so.“
„Ich versteh schon, was du meinst. Aber er hat eh das Handy, da weiß ich nie, wo er ist, wenn ich ihn anrufe. Nun komm schon. Sei ein bißchen cool.“
Cool, eins dieser Wörter. Ihr Mann ist cool. Ein cooler Typ. Aber ich frage mich, wie cool er bleibt, wenn er mich mit Agnes auf seinem teuren Wasserbett antrifft. Metallrahmen, schwarze Laken. Und ich bin auch nicht sicher, ob ich es austesten will. Also das Wasserbett schon. Ich meine das andere, wie cool er bleibt.
„Ich bin nicht heiß darauf, von deinem coolen Typ von Ehemann kalt gemacht zu werden, auch nicht verbal, zum Beispiel mundtot, oder symbolisch, zur Schnecke, zur Sau oder Minna. Eifersuchtsdrama: Ehemann ersticht, erdolcht, erdrosselt, erschießt, vergiftet Liebhaber seiner Frau. Wozu neigt er denn? Welche Schlagzeile liefert er? Liefern wir, meine ich.“
„Nun komm schon. Er ist in Frankreich, sag ich dir. Und er kommt keinen Tag früher nach Hause als unbedingt nötig. Er hat erst Montag wieder Termine.“
„Und wenn das Wetter schlecht ist, und er hat es satt, im Regen in einem klammen Boot zu sitzen, ohne Kamin, ohne Fernseher, ohne Mikrowelle? Kein Wasserbett, nur die dünne Sperrholzplatte? Und setzt sich in seinen Wagen und kommt her?“
„Wenn er’s satt hat, geht er ins Hotel. Echt, du kannst ganz schön nerven mit deinen Bedenken. Willst du nun, oder willst du nicht?“
„Ich weiß gar nicht, ob ich kann.“
„Wieso nicht? Warum solltest du auf einmal nicht können?“
„Ich hab noch nie ... ich meine, in einem Ehebett, mit der Frau ...“.
„Klar kannst du. Das laß nur meine Sorge sein. Jetzt komm, sei kein Frosch.“
Kein Frosch. Ich wollte, ich wäre einer. Könnte von einem Seerosenblatt zum nächsten hüpfen und zwischendurch mal ins Wasser und mich abkühlen und danach in die Sonne blinzeln und darüber nachdenken, daß ich eigentlich ein Prinz bin.
„Prinzen hüpfen nicht in fremde Ehebetten“, sagte ich, ohne mir ganz darüber im klaren zu sein, was ich eigentlich sagen wollte.
„Was soll das denn jetzt? Prinz! Du und Prinz. Ich glaub, ich spinn. Mensch Meinhart, ich hab mich auf diese Nacht gefreut. Endlich mal nicht diese bescheuerte Isomatte in deinem Büro, halb unterm Schreibtisch, wo man dauernd anstößt. Und deine ganzen Bücherstapel drum herum. Mit den Sonderdrucken deiner Kollegen als Kopfkissen. Bitte, Meinhart! Du, ich hab dich lieb!“