Kampfzone Indien - Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 2
Kampfzone Indien (Seite2)
Ich kann mir nie behalten, was ich mit Ihr rede! Meist sind unsere Gespräche wohl auch belanglos. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich achte und schätze sie sehr, sie ist sicher kein dummer Mensch. Sie ist Kindergärtnerin und hat nur wenig Gelegenheit, ihre geistigen Fähigkeiten zu trainieren. Es ist ein Trauerspiel, wenn intelligente Menschen einen solchen Beruf ausüben!
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Sie hatte vor langer Zeit einmal das Potenzial zu einem Alpha-Weibchen. Die Art und Weise unserer sexuellen Auseinandersetzungen zeigen das deutlich. Im Bett und auch auf freier Flur ist sie immer noch ein Alphatier. Auch Ihre Weltanschauungen decken sich sehr oft mit meinen, was ich ihr gegenüber jedoch niemals zugeben würde. Ich habe die Hoffnung, dass sie das Denken wieder erlernt. Zurzeit jedoch treibt sie auf einem endlos erscheinenden Meer und sieht dem Ertrinken entgegen. Ähnlich wie der Held des Buches, dass ich vor kurzem nach 18 Seiten aus der Hand gelegt habe und nun wieder beginnen werde zu lesen.
Anders als die Person in dem Buch hat Eva noch nicht realisiert, dass sie gegenwärtig nur auf Ihr Ertrinken wartet. Anstatt Ihre Flügel auszubreiten, wozu sie rein intellektuell in der Lage wäre, treibt Sie im täglichen Trott dahin, speist Ihre Gedanken mit schon tausend Mal gedachtem und wiederkäut wie eine Kuh.
Der Urlaub nähert sich dem Ende. In dem Buch, das ich mittlerweile wieder zu lesen begonnen habe, bin ich auf Seite 111 angekommen. Vicky, die noch nach Mumbai fährt, um sich dort mit anderen zu treffen hat für uns das Taxi zum Flughafen organisiert. Wir fahren zu viert in zwei Taxis. Unser Taxifahrer scheint ein einfacher Mann zu sein. Wir hatten ihn während unseres Urlaubs immer wieder engagiert. Er war ehrlich und hatte einen sehr friedfertiegen und treuen Blick. Außerdem war er eine stämmige Erscheinung, ich mochte Ihn sehr gerne! Was treibt einen solchen Mann? Er war sicherlich von normaler Intelligenz und in einem Land wie Indien sicherlich nicht so verbildet wie Menschen in Deutschland. Er schien stets zufrieden zu sein. Sein Beruf, Taxifahrer in Goa, sicherte Ihm wahrscheinlich eine ausreichende Existenzgrundlage. Aber mehr bestimmt nicht! Diese Mann hat sicher nie die großen französischen Literaten vom Ende des 19-ten und Anfang des 20-ten Jahrhunderts gelesen. Er hat in seinem Leben nie einen Gedanken über die Zusammenhänge von Wagner und dem Entstehen der Nationalsozialisten verschwendet. Selbst eine differenzierte Betrachtung von Lenin und Stalin traue ich diesem Mann nicht wirklich zu. Und trotzdem fühle ich eine gewisse Nähe zu diesem Mann.
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Autor: Michael Babilinski |