Kampfzone Indien - Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 3
Kampfzone Indien (Seite3)
Als ich im Flugzeug einsteige, weiß ich plötzlich warum. Er war ehrlich! So eine von Grund auf ehrliche Haut, die man in Deutschland nur noch selten findet. Außerdem strahlte er eine gewisse Zufriedenheit aus. Der Umstand, dass ich mich mit Ihm nicht unterhalten musste, verstärkte die Sympathie ins beinahe Lächerliche.
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Zurück flogen wir mit einem Touristenbomber. Das quälend schrille Schreien verwöhnter deutscher Kleinbürgerkinder war das erste, was mir klarmachte, was auf mich wartete: „DEUTSCHLAND“. Ich hasse diesen Ton, woher kommt er? In Goa waren auch Kinder. Sie haben mich nie gestört. Ganz im Gegenteil, ich habe Sie freudig dabei beobachtet, wie sie spielten und Ihre Späße machten.
Wir suchen unsere Plätze, hinter uns zwei Kinder, zum Glück keine deutschen Schreihälse, sondern gut erzogene Kinder einer indischen Familie, von denen keine hysterischen Schreikrämpfe zu erwarten sind.

Film-Tipp: Indien – Der Film
Dieser österreichische Filmklassiker hat zwar mit Indien nichts zu tun, aber er ist einfach zu großartig, um ihn diesen Zusammenhang nicht zu empfehlen. Wie in unserer Erzählung geht es auch hier um verborgene Sehnsüchte und Klischees, für das kaum ein Land mehr steht als eben: Indien. Indien als das Gegenstück zur Zivilisation des abendlandes, durch die zwei Gastronomie-Kritiker in „Indien“ fahren und diese dem Zuschauer nach und nach immer fremder werden lassen. Urkomisches Meisterwerk, nicht nur für Indien-Fans.
Meine Gedanken schweifen zurück. Ein Speiselokal in Goa ist voller Kinder. Sie laufen freudig und strahlend durch die Gänge, tanzen, beobachten andere Gäste beim Bestellen oder Essen. Ganz normal neugierige Kinder. Eines davon kommt an meinem Tisch, lächelt mich an und klaut mir voller Übermut den Salzstreuer vom Tisch. Eine Minute später kommt die Mutter mit dem Kind an der Hand, stellt mir den Salzstreuer wieder auf den Tisch und sagt kurz und knapp „Sorry“. Sie ist nicht böse auf das Kind und ich bin es auch nicht. Sie lässt das Kind ohne weitere Erklärungen weiter spielen. Wenn es nicht ganz dumm ist, hat es verstanden! Auch ich würde schreien, wenn mir ein Halbidiot, nur weil er mein Erzeuger und ein paar Jahre älter als ich ist, meint, mir ungefragt ewig alles in allen Einzelheiten auseinander legen zu müssen.
Eine weitere Szene in dieser nicht unangenehmen Umgebung war ein kleiner Junge, der ein anderes kleines Mädchen, wohl seine Schwester, schlug. Der Vater ging sofort dazwischen, schlug den Jungen mit einem Klaps auf den Hintern, sagte zwei Worte, nahm den Jungen bei der Hand und führte ihn an den Tisch. Die Angelegenheit schien damit erledigt zu sein. Kurze Zeit später spielte der Junge wieder quietschvergnügt mit den anderen. Nicht einer dieser endlos vielen Kinder im Raum hatte es nötig, die Aufmerksamkeit seiner Eltern oder anderer Erwachsener durch dieses quälende Schreien einzufordern.
Aber zurück zum Thema, „Die Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq
Ich bin auf Seite 111 und halte das Buch zwar nicht für Quatsch, aber die Gedanken für tausend Mal gedacht und niedergeschrieben, das Werk für eine Einbahnstrasse mit nur geringem Mehrwert für den Leser. Dennoch, ich werde es bis zum bitteren Ende lesen.
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Autor: Michael Babilinski |