Lieben im Freien - Die Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 2
Am nächsten Tag war folglich Blasenfrei, leichtes Spazieren gehen in einer sanften Waldgegend am Fuß des Puy de Dôme und Picknick im Grünen war angesagt. Im Halbschatten zwischen blühendem Ginster auf weiches Grass gebettet, kam uns nach dem gemächlichen Verspeisen von Cantal entre deux, St. Nectaire und Auvergne bleu mit Baguette und Rotwein Lust auf fleischliche Genüsse an, doch noch zu dicht an der Straße und zudem in der Nähe eines Aussichtspunkts, zogen wir uns tiefer in die Ginsterheide zurück, wobei wir zwar der Aussicht auf die Berge des Cantal verlustig gingen, gleichzeitig aber den Ort des nun folgenden Geschehens der Einsicht durch die Aussichtsgaffer entzogen, die am Felssteinmäuerchen um den Parkplatz mit A’s und O’s und Kameras den landschaftlichen Höhepunkten zu Leibe rückten, während wir uns, nach anderen Höhepunkten lechzend, in die Ginsterbüsche schlugen. Das folgende Geschehen darf unter Vorwegnahme der Pointe jedoch als höhepunktlos bezeichnet werden, denn kaum hatten wir uns unserer Kleidung entledigt und Silke sich darauf zurechtgelegt und „komm in mich“ geflüstert, als seien wir in meiner alten Studentenbude mit dünnen Pappwänden zu den von atemlosem Lauschen erfüllten Nachbarzimmern, und ich hatte ihrer Aufforderung vor innerer wie äußerer Erregung bebend Folge geleistet, als sei es das erste Mal, und das erste Mal im Freien war es ja auch, als sich Tausende, vielleicht Hunderte, mindestens aber Dutzende von dicken schwarzen Fliegen auf meine untere Körperregion stürzten – komisch, ich hatte doch geduscht – und sich laut brummend auf meinen schwingenden Sack und in die Arschspalte setzten, setzen wollten, sollte ich wohl sagen, denn durch die Pendelbewegung des Gehänges kamen sie nicht zur Ruhe, sondern wurden wieder aufgescheucht, versuchten es aber immer von neuem, so dass ein wirres Schwirren entstand und ich von den zahllosen Fliegen, die landeten, aufflogen und wieder landeten, das Empfinden hatte, jemand, der aber nicht Silke war, denn das wäre Steigerung der Lust gewesen, fasse mich dort unten an, und dadurch verging mir die Lust. Es war nur eklig. Vielleicht wollten die Fliegen gar nicht zu mir, sondern zu Silke – die freilich auch geduscht hatte -, aber da steckte ich, und ich war zunächst nicht gewillt, ihnen Platz zu machen. Doch die Diskrepanz zwischen Lust vorn und Ekel hinten war eine Herausforderung, der ich, meiner noch jungen Jahre zum Trotz, mental – wie es heute bei Sportlern heißt, wenn sie verloren haben - nicht gewachsen war. Ich sah mich also trotz besten Willens nicht in der Lage, das begonnene Werk fortzusetzen, und Silke, der ich ja die Fliegen ferngehalten hatte, reagierte verständnislos, als ich schlapp wurde und mit einem kleinlauten Hinweis auf die meiner Potenz abträglichen Fliegen aus ihr herausglitt. „Das find ich aber doof. Wie kann man sich nur so anstellen wegen der paar Fliegen“, sagte sie enttäuscht und abschätzig und nahm damit Rache für die Niederlage vom Vortag, die nur sie als solche empfand, als hätte ich ihr die Blasen an den Füßen eigenhändig und vorsätzlich beigebracht.
Später im Hotel wurde sie für das Entgangene entschädigt. Doch es blieb der Makel an mir haften, in einer Bewährungssituation wegen ein paar brummender und kitzelnder Fliegen schlapp gemacht zu haben.