Liebe unter Tieren: ein Gute-Nacht Literat

Liebe unter Tieren - Die Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 3


Liebe unter Tieren


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Bei Licht betrachtet glaube ich sowieso, dass der Mann, der meine erste Ehe, also die mit Tamara, geführt hat, ein anderer gewesen sein muß als ich. Jedenfalls fällt mir heute kein vernünftiger Grund ein, warum Arly aus dem Schlafzimmer sollte – wo war sie eigentlich später bei der Schweinerei im Sessel? Befürchtete ich, bzw. der andere, der mein damaliges Leben führte, möglicherweise eine sittliche Gefährdung des unschuldigen Welpen? Solche Vokabeln waren damals im Schwange, allerdings, wie man sich denken kann, so gut wie nie auf Hunde gemünzt. Das wäre jedoch reichlich absurd und irrational gewesen. Aber was war rational an meiner Weigerung, den harmlosen Hund Zeuge unseres Liebeslebens sein zu lassen? Ich habe versucht, den anderen Mann zu fragen, aber er schweigt, wie zu so vielem anderem, was ich gern von ihm wissen möchte. So kann ich nur vage vermuten, dass ich aus irgendeinem Minderwertigkeitskomplex oder einer verqueren Verklemmung und Scham heraus keinen Beobachter wollte. Das mag ergründen, wer will, für mich ist die Sache ein Kuriosum, kein Schmerzpunkt, und ich bin im Nachhinein einig mit Tamara, die mich in dieser Situation ausgesprochen lächerlich fand. Wie recht sie hatte.

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Die Erinnerung arbeitet ja so seltsam, ich weiß heute nicht mehr, ob Arly nun dabeiblieb oder nicht; dass Tamara und ich uns anschließend liebten, weiß ich allerdings noch, aber jedes Detail ist verflogen. Vielleicht kommt es zurück, wenn sich in zwanzig Jahren mein Langzeitgedächtnis meldet und wieder in den Vordergrund schiebt. Bestimmt tischt es mir dann die eine oder andere Überraschung auf, doch bis dahin bin ich froh, dass der Mann, der danach und bis heute mein Leben geführt hat, von sich sagen kann: Mein Verhältnis zu Hunden und Katzen beim Lieben ist total unkompliziert.



Autor:
Wolf Martin


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