Schweinereien - Die Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 3
Mir ist entfallen, was wir in jener Nacht taten, aber ich weiß, dass es eine wilde Nacht war, und dass die Laken am Morgen schweißgetränkt und zerknüllt waren. Und dass wir schamhaft flüchteten, ohne Frühstück, bevor sie dort sehen konnten, was wir in dem Bett gemacht hatten, und damit Tamara pünktlich zur Arbeit kam.
Einige Jahre später waren Tamara und ich verheiratet und lebten in Arles, und Tamara machte sich einen Spaß daraus, in Gesellschaft immer mal wieder die Anekdote von ihrer friesischen Großmutter zu erzählen, die früh Witwe und alleinstehende Mutter war und in besseren Häusern, wie man damals sagte, als Zugehfrau arbeiten musste. Eines Tages kam sie aufgebracht aus einem dieser nach außen hin so wohlanständigen Bürgerhäuser zurück (war es der Rechtsanwalt, der Doktor oder irgendein höherer Beamter?), und erklärte entrüstet: „Dat sünt Swin. De hebbt n Bidee.“
Die Wärme des Südens, der andersartige Tagesablauf, die Lockerheit, der Wein, alles trug dazu bei, dass auch bei Tamara und mir fest gefügte Verhaltensweisen ins Wanken gerieten. Eines Tages liebten wir uns anders als sonst, einem unverhofften frivolen Impuls nachgebend. Es fing ganz ungewohnt in der Küche an, Kleidungsstücke flatterten zu Boden und säumten den Weg der Verlagerung der Handlung ins Wohnzimmer, wo wir über einen Sessel mehr stolperten als ihn aussuchten, doch einmal dort gelandet, die Gelegenheit zur Improvisation ergriffen und mit einer uns bis dahin völlig fremden Wildheit, in der mehr Rauflust als Zärtlichkeit aus uns herausdrängte, über einander herfielen, beide gleich außer uns, gleich gierig und am Ende gleich gestillt und gleich atemlos. Doch Tamara lächelte nicht. Wieder zu sich gekommen, sah sie mich nicht an, ging wortlos an der in die Küche führenden Kleiderspur entlang, sammelte ihre Teile auf und verschwand im Bad. Hatte ich mich so geirrt? War ich allein gierig gewesen, egoistisch und rücksichtslos? Hilflos wartete ich nackt an der Badezimmertür, versuchte sie zu umarmen, als sie herauskam. Sie entwand sich mir, ging in die Küche und stellte sich ans Fenster. Mit dem Blick nach draußen sagte sie: „Es war schön. Es hat mir gefallen. Aber wir dürfen das nie wieder tun. Sowas ist Schweinerei.“