Tanzunterricht - Die Gute-Nacht-Literatur auf Wasserbetten News - Seite 1
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Nach den Vorstellungen hingen wir ab; erst wurde noch ernsthaft über den Erfolg und die Fehler des Abends gesprochen, dann wurde gegessen und ein bisschen geplaudert und viel getrunken. Ich hatte zwar immer noch Gaststatus, und es war auch nicht klar, ob ich nach der Saison dabeibleiben würde, aber ich ging davon aus. An einem Abend war ich ziemlich angeheitert und bat um Ruhe, um eine Tischrede zu halten, die dann aus den im Brustton der Überzeugung gesprochenen Worten bestand: (Klopfen mit dem Messer auf den Glasrand) „Auf meine alten Tage hab ich noch einmal neu angefangen.“ (Stampfen, Gejohle, Klatschen, erneutes Klirren des Glases.) „In ihrem vierzigsten Lebensjahr fand sie zu ihrer Berufung“. (Lautes Getöse, „Bitte keine Übertreibungen!“ und „Weiter, weiter!“-Rufe; „Wenn sie so weitermacht, wird sie nie im Leben vierzig!“) „Die glücklichste Zeit ihres Lebens war jene, als sie die Tage ihrer Jugend schon hinter sich gelassen hatte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“
Wir brüllten vor Lachen, und die Hälfte lag unter den Tischen und hielt sich den Bauch. Ich hatte ja wirklich ein bisschen übertrieben, denn ich war bloß drei, vier Jahre älter als die anderen, was aber niemandem groß aufgefallen war, und Meikel war sowieso um einiges älter.

Unser Musiktipp:
Madonna - Confessions on a Dance Floor
Seit ihren Anfängen in den achtziger Jahren hat Madonna keine solche Tanzmusik mehr gemacht. Dance Music, wie sie sein soll: kraftvoll, basslastig, temporeich. Rhythmen, denen nur schwer zu widerstehen ist. Etwa, wenn man brutale Techno- oder Industrial Electro-Klänge gewohnt ist. Aber für alle anderen, die es sanft und geschmeidig lieben, ist dieser Ohrschmeichler genau das Richtige: eine Tanzplatte der alten Schule für die Moderne.
Johnny, der Manager, der ein bisschen wie Danny DeVito aussah, war auch dabei. Es war schon ein Uhr nachts, und wir waren wieder ins Hotel zurückgegangen, das die Sommerakademie gebucht hatte, und lümmelten in der Hotellounge herum, auf Riesensofas, wo man allerhand Geheimes machen konnte, denn die Hotelleitung hatte das Licht wohlweislich gedimmt. Meikel war mit einem der Mädchen auf sein Zimmer gegangen, ich alberte immer noch mit den anderen herum, und dann sangen wir alle mit Madame Carotte, wobei die vereinigte Truppe gegen die Lautstärke ihrer Tremolos keine Chance hatte. Johnny zog mich zu sich aufs Sofa und teilte mir mit, dass er „mir etwa Gutes tun wolle“, wie er sich reichlich geschwollen ausdrückte. Ich war neugierig, sträubte mich aber, weil mein Bruder mich davor gewarnt hatte, mit einem der anderen Jungs etwas anzufangen. Es war aber nie der Fall gewesen, dass ich Lust drauf bekommen hätte. Es gab sicher ein paar Beziehungen zwischen den Ensemblemitgliedern, aber alles schien zu funktionieren. Vielleicht schlief Meikel ja auch nur mit einigen wenigen Mädchen.
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