Vielzahl an Siegeln erschwert Verbrauchern die Auswahl gesunder Bettwäsche
was die Branche weiter treibt. Aktuelles von den großen Möbelmessen bis zu den kleinen Fachmessen im Land.
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„Grün“ steht nach wie vor im Mittelpunkt der Bettwarenbranche, das wurde auf der Heimtextil 2012 mehr als deutlich. Damit ist jedoch nicht die bevorzugte Farbgestaltung gemeint, sondern das tatsächliche oder vermeintliche Bemühen um ökologisch und nachhaltig gefertigte Produkte. Das Problem dabei ist, dass jeder Hersteller und jeder Verbraucher unter Nachhaltigkeit etwas anderes versteht. Als Verkaufsargument kommen Ökologie und soziale Verantwortung nach wie vor an, ohne dass es einen allgemeingültig anerkannten Standard gibt.
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„Nachhaltigkeit aus der Perspektive der Heimtextilien“, so lautete das Motto eines Gesprächsforums, das die Heimtextil 2012 mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen begleitete. War da nicht etwas? Genau, bereits 2009 legte die Messe mit Themen wie „Eco Luxury, Green Business und Innovation“ den Schwerpunkt eines Diskussionsforums auf genau dieses Thema. Dass die Branche insgesamt große Fortschritte in diesem Bereich gemacht hat, ist unbestritten. Inwieweit das aus eigenem Antrieb oder aufgrund des Marktdrucks, also der Verbraucher, geschehen ist, dürfte sich in der Regel kaum ergründen lassen.
Jutta Knels, Geschäftsführerin der Oeko-Tex Zertifizierungsstelle GmbH, berichtet von einem weiter steigenden Nachhaltigkeits-Bewusstsein bei den Herstellern: „Im Bereich ‚Organic Cotton‘ gab es ein stetiges Wachstum auf mittlerweile über 120 Zertifikate. Insgesamt sind auf der Heimtextil 2012 über 400 Hersteller mit Oeko-Tex Standard 100 vertreten.“ Neben diesem Standard für schadstoffgeprüfte Textilien bietet Oeko-Tex außerdem eine Prüfung nach dem Standard 1000 an, der umweltfreundliche Betriebsstätten auszeichnet. Ist ein Unternehmen bereits nach dem Standard 1000 zertifiziert und besitzen seine Produkte daneben den Standard 100, so ist eine Prüfung der Erzeugnisse auf den weitergehenden Standard 100plus möglich.
Das Label „Textiles Vertrauen“, das die Zertifizierung nach Oeko-Tex belegt, dürfte vielen Verbrauchern bekannt sein. Es gibt Aufschluss darüber, nach welchem Standard das Produkt geprüft wurde. Ob Verbraucher jedoch so genau hinschauen, und wenn ja, ob sie den Unterschied zwischen den Standards 100 und 100plus kennen, ist eine andere Frage. Auch wenn lediglich das fertige Produkt und nicht die einzelnen Rohstoffe überprüft werden, hat das weltweit angebotene Label dazu beigetragen, dass die Branche international für das Thema sensibilisiert wurde. Die Produktion in Deutschland könne sehr hohe Ansprüche erfüllen, so Jutta Knels. Dies liege unter anderem daran, dass hier eine Behördeninfrastruktur vorhanden sei, die die Einhaltung der Gesetze und Regeln kontrollieren könne. Trotzdem erklärt die Geschäftsführerin: „Die meisten Oeko-Tex 1000-Zertifizierungen haben wir in Spanien.“
Die Textilbranche hatte in der Vergangenheit vor allem unter einigen Herstellern aus Asien zu leiden, die es mit schädlichen Chemikalien und Farbstoffen nicht so genau nahmen. Da ist Vertrauen verlorengegangen, das die ganze Branche nun Schritt für Schritt wieder aufbauen muss. „‘Made in Germany‘ ist das stärkste Argument“, erklärt Jan-Frederic Bierbaum, Geschäftsführer des gleichnamigen Textilherstellers. Insbesondere bei Produkten, die der Verbraucher an seine Haut lasse, wolle er durch strenge Kontrollen und einer Fertigung in Europa sichergehen, dass die Textilien schadstofffrei sind. Auf der Heimtextil 2012 stellte das Unternehmen, das etwa zwei Drittel seiner rund 600 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, die drei Kollektionen Go2BED, Emotion und Smail vor.
Fazit: Ein verbindliches Siegel mit strengen Qualitätsanforderungen, das den gesamten Produktionsprozess berücksichtigt, könnte es dem Verbraucher leichter machen. Der fehlende Wille vieler Kunden, für solche Waren einen größeren Aufpreis zu zahlen, könnte nämlich auch an der Verwirrung durch die Siegelvielfalt liegen. Alleine im „Green Directory“ der Heimtex 2012, dem Ausstellerverzeichnis nachhaltiger Haus- und Heimtextilien, wird zunächst einmal auf vier Seiten eine Auswahl von 17 Siegeln mitsamt Kurzbeschreibung präsentiert. Selbst einem in Umwelt- und Gesundheitsfragen engagierten Verbraucher dürfte da die Lust am Lesen vergehen.
Autor: David Schahinian
Bilder: Pressebilder Oekotex