Es tobt ein Glaubenskrieg in der Bettenbranche, und die Endkunden sind verwirrt: Muss eine Matratze hart sein oder doch lieber weich? Was stimmt denn nun? Auf welcher Unterlage schläft man am besten? Und welche Zusatzfeatures braucht man für guten und gesunden Schlaf?
- Anzeige -
Ein Kommentar aus der Schlafen-Aktuell-Redaktion
Zumindest die letzte Frage lässt sich eindeutig beantworten: Kein einziges, von medizinischen Sonderfällen einmal abgesehen. Dass dennoch so viele Gimmicks mit teils aggressiven Werbekampagnen bekannt gemacht werden, hat einen simplen Grund: Die Bettenbranche leidet unter Innovationsdruck. Dabei ist das Bett in all seinen Varianten ein ziemlich ausgereiftes Produkt. Trotzdem wird immer weiter daran herumgebastelt - das Ergebnis sind zumeist Scheininnovationen. Edelsteine unterm Bett? Auflagen aus abenteuerlichen Materialien? Massagefunktionen? Elemente zum Ausgleich schlafstörender Magnetfelder? Vergessen Sie all das. Sie benötigen es nicht, und es wird auch Ihren Schlaf nicht verbessern, ganz egal, wie teuer es ist, ganz egal, wie viele Wissenschaftler in wie vielen Studien irgendeine Wirkung nachgewiesen haben wollen. Das Zeug ist unnütz.
Viel wichtiger ist, dass Sie eine gute Matratze haben. Ob Federkern, Kaltschaum, Rosshaar, Futon, Gel, Wasserkern, Luftbett etc. - es kommt darauf an, dass der Körper gut abgestützt wird und die Wirbelsäule gerade ist. Nun gibt es immer mehr Hersteller, die eben dieses Gesundheitsthema für sich entdecken und mit immer angeblich neuen Entwicklungen daherkommen, von denen sie behaupten, man könne darauf besser schlafen als auf anderen Matratzen. Auch solche Aussagen können Sie ignorieren. Selbst dann, wenn sie wissenschaftlich untermauert werden. Vergessen Sie nicht: Man kann jede Studie so gestalten, dass exakt das Ergebnis dabei herauskommt, das man haben möchte.
Lassen Sie sich von Herstelleraussagen nicht beeindrucken. Denken Sie daran, dass die Bettenindustrie, wie wir sie heute kennen, noch recht jung ist. Die Menschheit ist jahrtausendelang ohne solche Luxusprodukte ausgekommen, und in den meisten Haushalten ging es noch bis ins vergangene Jahrhundert hinein mit sehr simplen Mitteln ganz gut. Man nutzte Stroh und Rosshaar, schlief zumeist hart, und dennoch ist nicht überliefert, dass es damals gravierendere Schlafstörungen gab als heute. Richtig ist, dass eine des nachts gerade liegende Wirbelsäule Rückenproblemen vorbeugen kann. Ob die jeweilige Matratze diesen Effekt herbeiführt hängt aber in erster Linie von der physischen Beschaffenheit und den Liegegewohnheiten des Nutzers ab, erst in zweiter Linie von der Matratze. Wer üblicherweise auf dem Bauch schläft, der wird niemals eine gerade Wirbelsäule haben, egal worauf er sich bettet. Daher ist es zwar nicht falsch, auf diesen Punkt zu achten, es ist aber auch nicht übermäßig wichtig.
Zum Teil ist es auch gewohnheitsbedingt. Das werden Sie merken, wenn Sie eine bestimmte Matratzenhärte bevorzugen und dann plötzlich (beispielsweise im Hotel) auf einer anderen liegen. Die plötzliche Umstellung wirkt sich in der Regel negativ auf die Nachtruhe aus.
Worauf es ausschließlich ankommt ist, ob man persönlich sich wohl fühlt. Manche Menschen brauchen eine weiche Unterlage, in die sie tief einsinken, andere schlafen nur auf einer sehr harten Matratze gut. Das muss jeder für sich herausfinden. Wenn man jahrelang auf „seiner“ Matratze gut geschlafen hat und dann plötzlich unter Schlafstörungen leidet, wird eine neue Matratze daran nichts ändern - Gimmicks wie oben genannt erst recht nicht. Zumeist sind äußere Umstände die Ursache. Stress zum Beispiel. Überlegen Sie auch, ob sich in Ihrem Alltag etwas verändert hat. Manche Dinge nimmt man vordergründig gar nicht wirklich wahr, unbewusst können sie sich aber auswirken, und das schlägt sich meist im Schlaf nieder. Versuchen Sie, das Problem zu lösen, und wenn auch das nicht hilft, sollte man einen Arzt aufsuchen. Moderne Betten können vieles - das Lösen von Schlafproblemen gehört nicht dazu.
In diesem Sinne - schlafen Sie gut!
Autor: Gerrit Wustmann