Boxspringbetten auf der IMM Cologne 2013

Löst das Boxspringbett andere Schlafsysteme ab?


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IMM Cologne: Boxspring is King!

Gewinner des Retorno Interior Award von Opaque & SheerBoxspring is King! So oder so ähnlich könnte man den Ersteindruck der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne 2013 beschreiben, wenn man einen Blick in Halle 9 wirft, in der traditionell die Bettenbranche ihre Neuheiten präsentiert. Vor wenigen Jahren zweifelten wir noch ebenso wie Branchen-Insider an der Durchsetzungskraft des neuen Trends? Boxspringbetten? Werden sich in Deutschland nicht durchsetzen … doch das war offenbar ein Irrtum. Der Hype ist ungebrochen, aber er treibt auch seltsame Blüte...


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Fast die Hälfte aller Aussteller in Köln hatte 2013 Boxsprings im Gepäck – oder behauptete das zumindest. Denn ein weiterer Trend scheint der zum Hybrid-Bett zu sein, das lediglich Elemente oder optische Nuancen übernimmt, damit man mit dem Begriff Boxspring werben kann. So zeigten mehrere Wasserbette-Hersteller Wasserbetten in Boxspring-Optik, ebenso wie Hersteller von Schaummatratze versuchten, auf den Zug aufzuspringen. Für den Endkunden hat das Vor- und Nachteile. Einerseits kann er sich teils für vergleichsweise wenig Geld etwas ins Schlafzimmer stellen, das einen gewissen Boxspring-Eindruck erweckt. Wobei die klobigen Continentalbetten je nach Geschmack als hip oder als ziemlich hässlich empfunden werden, es gibt hier offenbar getrennte Lager – und die Abstufungen zwischen pro und contra scheinen eher gering. Entweder man liebt es oder man hasst es.

Der Nachteil ist: Der Begriff Boxspring wird schwammig. Denn freilich werden auch die Hybriden als Boxsprings und nicht als Boxspring-Lookalikes vermarktet. Die großen Traditionshersteller, die wacker ihre Position behaupten, dürfte das eher wenig stören. Denn wer auf den teuren Luxus von Vi-Spring, Somnus, Hästens oder Carpe Diem aus ist, wird kaum bereit sein, nur des Preises wegen Kompromisse einzugehen.

Edel und gediegen gaben sich auch Femira, Jensen oder der türkische Hersteller Yatsan, deren Stände ein luxuriöses Ambiente gegen den Discounter-Flair einiger Boxspring-Neulinge aufboten. Doch auch sie mussten gegen die Flut ankämpfen, denn nicht wenige Messebesucher fühlten sich erschlagen und manch einer kritisierte den mangelnden Ideenreichtum. Zu austauschbar seien all die Neu-Boxsprings, es sei schon völlig uninteressant, welcher Hersteller sein Label auf die immer gleichen Betten klatsche.  Dieser Teil des Trends aber, da sind sich Insider einig, wird nur vorübergehend sein. In ein paar Jahren werde sich herauskristallisiert haben, wer es ernst meine und wer nicht, und auch die Endkunden werden mündiger werden. Soll heißen: Sie werden hinterfragen, ob Boxspring gleich Boxspring ist.  Und es ist schon ein Unterschied, ob das Innenleben neben der Federung aus synthetischen Materialien statt aus Rosshaar oder eigens gezüchteter Schurwolle aus Irland oder Ägypten besteht wie beispielsweise bei Somnus.

Oschmann versucht nun gar, das Boxspringbett ins Kinderzimmer einzuführen mit seinem Modell „Youngster“. Wir erinnern uns: Das haben auch die Wasserbettenhersteller schon leidlich erfolgreich versucht. Originell hingegen war ein Boxspringbett im dunklen Holzrahmen, das Fey & Co. vorstellte und das sich deutlich von der Konkurrenz abgrenzte, weil es versucht, designtechnisch neue Wege zu gehen und auch jene zu begeistern, die mit Boxspring bislang eher wenig anfangen können.

Dass Boxspring auch kulturell ernstgenommen wird, zeigte die Vergabe des Interior Innovation Award 2013 im Zuge der Möbelmesse an den niederländischen Hersteller Opaque & Sheer für sein Boxspringbett Retorno.

 

Autor: Gerrit Wustmann