Das Bett im Mittelalter

Lattenrosten und Prunkbetten im 12. Jh.


Empfang im Himmelbett

Im Mittelalter erfanden die Bettenbauer bahnbrechende neue Baustile. Ab dem 12. Jh. wurden die ersten Lattenroste verwendet. Darauf legte man einen Strohsack und später die mit Wolle oder Baumwolle gefüllte Matratze (unser Begriff ist das arabische matrah), und im 13. Jh. waren Betttücher aus Leinen oder Hanf üblich. Bald kamen vierpfostige Himmelbetten in Mode, die tagsüber auch als Sitzgelegenheit dienten. Nachts zog man die Vorhänge zu und hatte einen geschützten Alkoven. Zum Zudecken gab es pelzgefütterte und – wenn der Geldbeutel es zuließ - seidenbezogene Decken.


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Aber nur vornehme Leute konnten sich den Luxus eines eigenen, prunkvollen Bettes mit allem Pipapo leisten; die Gefolgsleute schliefen immer noch zu mehreren auf dem bewährten Strohsack auf ebener Erde. Die Reichen hingegen trieben es immer bunter: Ab dem 14. und 15. Jh. schmückten sie die Wände und Möbel ihrer Schlafzimmer mit extravaganten und farbenfrohen Stoffen; für ihre Betten hatten sie ebenso bunte seidene Steppdecken. Das Bürgertum bemühte sich, es dem Adel gleichzutun: Die erste Investition eines frisch vermählten Paares galt einem Ehebett, das prunkvoll in der Mitte des Schlafzimmers stand. An den Höfen wurden die Betten immer größer, bekamen einen Baldachin, von dem Brokat, Samt oder Damast herabhing, und im 15. Jh. stand das standesgemäße Bett wie ein Haus in der Stube. In eigens dafür vorgesehenen Paradebetten wurden Gesandte empfangen. Es entfaltete sich ein verschwenderischer Gebrauch von exotischen Hölzern und Furnieren, die Aufsehen erregen sollten. Zur Zeit Ludwigs XIV. (1638  -  1715) trugen die vier Stützpfosten des Bettes einen flachen oder kuppelförmigen Betthimmel, der aber auch an der Decke aufgehängt sein konnte. Erst im 18. Jh. hatte das Paradeschlafzimmer als Empfangsraum ausgedient, und die Betten wurden wieder schlichter. Bei den wohlhabenden Bürgern kam die Bettlade in Mode, auf der die Matratzen und Unterbetten aufgetürmt wurden. Unterbetten und Decken wurden nun gern mit Federn und Daunen befüllt.

 


Weiterführende Themen

  1. Einführung Betenkultur
  2. Strohsack und Prunkbett
  3. Römischer Bettenkult
  4. Das Himmelbett
  5. Betten für alle