Betten auf Booten: Individuelle Lösungen

Schlafen Aktuell auf der Boot 2012


Schlafen auf hoher See

Eignerkajüte bei ModyAuch auf dem Wasser muss man schlafen – dachten wir uns und meinten damit nicht Wasserbetten, sondern Betten auf Booten. Im Jahr 2012 stattete die Redaktion von Schlafen Aktuell der Messe Boot in Düsseldorf einen Besuch ab. Überraschend wenige Bettenhersteller präsentierten sich hier. Dennoch gab es auch kleine Überschneidungen mit der IMM Cologne.


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Was sofort auffällt, wenn man sich auf den ausgestellten großen Segelyachten umschaut: Ein Großteil des vorhandenen Platzes wird für Schlafgelegenheiten genutzt. Selbst auf einem vergleichsweise kleinen Boot gibt es kaum mehr als ein zentrale Schlaf-KajüteSitzecke und ganze drei Schlafzimmer, zwei davon winzig. Und auch auf einer der größten Yachten von Moody sieht es kaum anders aus. Zwar gibt es hier auf dem Oberdeck eine Küche, ein geräumiges „Wohnzimmer“ und reichlich Stauraum; das Unterdeck hingegen wird wieder von Schlafzimmern beherrscht. Ganze vier sind es. Ein winzig kleines für den Skipper. Zwei kleinere Gästezimmer, eines mit Doppelbett, das andere mit zwei Einzelbetten und Badezimmer auf dem beengten Flur, der zur Eigentümerkajüte am Bug führt. Diese ist vergleichsweise geräumig mit Doppelbett, Sofa, Kleiderschrank und eigenem Badezimmer samt Dusche und Toilette.

Bei Moody erfahren wir, dass diese Aufteilung nur ein Vorschlag ist, weitere Optionen finden wir im Katalog. Wer gerne alleine oder zu zweit aufs Wasser geht, kann die Räumlichkeiten auch anders nutzen. Allerdings sind die Schlafzimmer, von der Eigentümerkajüte abgesehen, derart eng, dass sie sich außer zum Schlafen kaum sinnvoll nutzen lassen. Bei kleineren Booten nimmt der Schlafbereich nahezu den kompletten Innenraum ein, kann mitunter zur Sitzgelegenheit umgebaut werden – ähnlich wie in Wohnwagen und Wohnmobil. Es ist daher nur folgerichtig, dass auch Caravan-Hersteller auf der Boot vertreten sind. Bettenhersteller finden sich allerdings kaum, und das ist unter diesen Gesichtspunkten seltsam.

Messestand Düsseldorf: Götzl MaritimSechs Aussteller finden sich, die auf Betten spezialisiert sind, einer auf Bettwäsche. Alle bis auf einen eint die Tatsache, dass ihr Kerngeschäft im Heimbereich stattfindet und sie die Bootsausstattung optional anbieten. Mancher wie etwa Wenatex oder Hästens ist sogar zum allerersten Mal dabei. Tatsächlich sind die Betten, die wir auf den Schiffen vorfinden, relativ simple Standardware, und das sogar auf großen Luxusyachten, von denen man eigentlich mehr erwarten würde. Immerhin: Das Gros der Kunden ordert vorab individuelle Lösungen, sagt man uns. Die Matratzen sind durchweg simpler Kaltschaum. Das leuchtet ein, denn Kaltschaum lässt sich vergleichsweise einfach bearbeiten. Standardmaße gibt es nicht, jede Matratze muss an die Gegebenheiten der Boote angepasst und zurechtgeschnitten werden.

Ein Problem, für das alle sensibilisiert sind, ist Feuchtigkeit und Schimmel. Sie machen Bootsbesitzern zu schaffen. Dementsprechend oft bieten die Ausrüster auch auf der Messe Schimmelentferner an. Durch Abstandsgewirke, Lattenroste oder Plastikunterfederungen wird dafür gesorgt, dass die Matratzen leicht erhöht liegen und ein Mindestmaß an Belüftung stattfindet. Standard ist das aber noch nicht. Immer wieder sehen wir in den Kajüten Matratzen, die direkt auf Holz aufliegen. Der Bettkasten ist Stauraum, und nach oben bleibt oft nur wenig Platz. Es wird um jeden Zentimeter an Bord gekämpft. Dass viele der Minischlafzimmer keine ersichtliche Lüftungsmöglichkeit haben, macht es nicht besser. Man ahnt schon, dass ein leichter Modergeruch hier schnell zum ständigen Begleiter wird…

Autor: Gerrit Wustmann