Lidl und Medilight: Wasserbetten aus China?

Lidl reagiert: Wasserbetten aus dem Angebot genommen


  • Messeberichte

    was die Branche weiter treibt. Aktuelles von den großen Möbelmessen bis zu den kleinen Fachmessen im Land.

  • Händlerkatalog

    kompetente Händler von Nebenan. Sortiert nach Plz und Produktgruppen

  • Glossar

    Fachbegriffe & Wissenswertes im Überblick. Fachinformationen für den Laien einfach und verständlich aufbereitet.

Lidl & Medilight: Wasserbettenkrimi geht weiter

Umlackiert: Made in Germany aus ChinaLetzte Woche berichtete Schlafen Aktuell ausführlich über Ungereimtheiten in Zusammenhang mit den vermeintlichen Wasserbett-Schnäppchen der Firma Medilight im Online-Angebot des Discounters Lidl (siehe: Lidl Wasserbetten von Medilight). Scheinbar als Reaktion auf die Recherchen von Schlafen Aktuell hat Lidl die Betten inzwischen aus seinem Angebot entfernt.


- Anzeige -

Die Berichterstattung von Schlafen Aktuell über die Medilight-Betten bei Lidl hat für Wirbel gesorgt. Zuerst wurde während unserer Recherchen die Medilight-Website unter der Domain wasserbettenbilliger.de vom Netz genommen, aus der sich eine Verbindung zwischen den Marken Medilight und WaBeBi nachweisen ließ. Dann entfernte Lidl sein Wasserbettenangebot aus dem Netz - die Eingabe der URL, unter der es erreichbar war (Screenshot) führt nun zu einer Fehlermeldung. Komplett gestrichen wurden die Betten allerdings nicht. Wenn man sie über die Suchfunktion aufruft erfährt man (Screenshot), sie seien inzwischen "leider ausverkauft".

Auch im Forum von Schlafen Aktuell wird das Thema hitzig diskutiert. Mehrere Nutzer berichten, dass sie aufgrund unseres Beitrags ihre Bestellung bei Lidl storniert haben. Über die Entfernung des Angebots aus dem Onlineshop herrscht Verwirrung. In unserer Redaktion stand derweil das Telefon nicht mehr still. Brancheninsider kontaktierten uns und gaben uns wertvolle Hinweise zur Klärung jener Fragen, die noch offen waren.

Gleich mehrere Personen, die in der Vergangenheit mit Medilight-Inhaber Carsten Draheim zusammengearbeitet haben bestätigten uns: Die von ihm unter den Marken Bellvita und Medilight angebotenen Wasserbetten stammen in wesentlichen Teilen aus China. Dies bestätigen auch geschäftsinterne Papiere aus dem Jahr 2007, die uns zugespielt wurden. Demnach stammen zwar Sockel und Heizung aus deutscher Produktion, die wesentlichen Bauteile aber, darunter der Wasserkern, die Sicherheitswanne und die Schaumstoffe, kommen aus Fernost. Die Nachfrage, ob dies bis heute so sei, bestätigten unsere Informanten übereinstimmend mit „Ja“.

Dennoch verkauft Draheim die Medilight-Betten als "Made In Germany", und auch Lidl pries die Betten als "aus deutscher Herstellung". Laut einem Urteil des OLG Stuttgart von 1995 ist dies rechtswidrig. Es besagt, dass "die Angabe von Germany im Sinne von Made in Germany irreführend ist, wenn zahlreiche wesentliche Teile eines Geräts aus dem Ausland stammen. Auch wenn einzelne Teile oder ganze Baugruppen eines industriellen Erzeugnisses im Ausland zugekauft wurden, darf das Erzeugnis die Bezeichnung Made in Germany tragen, sofern die Leistungen in Deutschland erbracht worden sind, die für jene Eigenschaft der Ware ausschlaggebend sind, die für die Wertschätzung des Verkehrs im Vordergrund stehen." (2 U 124/95) Als wesentlichstes Bauteil eines Wasserbettes gilt allgemein die Wassermatratze, mit deren Qualität das Liegegefühl steht oder fällt.

Aus den uns zugespielten Unterlagen geht hervor, dass der Hauptlieferant bis mindestens Dezember 2007 Best Waterbeds in China war. Aus einer internen Kalkulation ergibt sich zudem, dass Bellvita mit einer Spanne (EK zu VK) von bis zu 400% pro Bett arbeitet. Marktüblich ist ein Bruchteil davon. Das funktioniert unter anderem durch massive Logistikeinsparungen. Waren aus China werden grundsätzlich containerweise geliefert, wobei ein Container im Schnitt rund 4000 Euro kostet. Üblicherweise enthält ein Container rund 100 Wasserbetten bzw. Komponenten für rund 100 Wasserbetten. Laut der Kalkulationen wurden pro Bett 18 Euro an Versandkosten nach Deutschland veranschlag - was über 200 Betten pro Container bedeutet. Möglich ist das nur bei extrem enger Lagerung, was zu Druckstellen und anderen Mängeln der gelieferten Waren führen kann. Dass tatsächlich Mängel auftraten, geht aus den Unterlagen ebenfalls hervor. Offenbar wurden zugunsten des Gewinns bewusst Qualitätseinbußen in Kauf genommen.

Der Kunde sollte aufmerksam sein und immer genau nachfragen. Seriöse Händler und Hersteller in der Wasserbettenbranche werden auf Nachfrage die Zusammensetzung und die Herkunft der einzelnen Bettkomponenten verraten. Erhält man eine ausweichende Antwort oder wird die Antwort verweigert, ist Skepsis angebracht.

Wie wichtig diese Skepsis sein kann, zeigt sich auch in Bezug auf die verwendeten Chemikalien. Carsten Draheim bewirbt seine Medilight-Betten unter anderem mit dem Satz: "So verwenden wir bereits seit Jahren bei allen hochvolumigen Wasserbetten nahezu ausschliesslich den phathalatfreien Weichmacher Mesamoll II ®." [sic] Seltsam, dass die Marke Medilight nicht in der Liste der Lizenznehmer des Mesamoll-Herstellers Lanxess auftaucht. Auf unsere Nachfrage erklärt Christoph Rosner von Lanxess, es bestehe seit kurzer Zeit ein Lizenzvertrag mit Draheims Firma bellvita - für das Label Medilight hingegen nicht. Es könne zwar sein, dass Draheim Mesamoll II verwende, damit werben dürfe er ohne Lizenz aber nicht. Rosner: "Wir werden das überprüfen und unter Umständen rechtliche Schritte einleiten."  An Draheims Formulierung "fast ausschließlich" dürfte Zweifel bestehen: Branchenkenner bestätigten uns, dass die uns bekannten Zulieferer Draheims in China bis heute nicht in der Lage sind, die Mesamoll-Standards einzuhalten.

Gerrit Wustmann & Michael Babilinski

Zur Forendiskussion: Wasserbett Medilight bei Lidl Online