Skurriles und Irres auf der imm 2010

Die Verrücktesten Ideen, mit denen Hersteller 2010 um Kunden buhlen


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Merkwürdige und absurde Features

Viel wirklich Neues war nicht zu sehen auf der imm sleep 2010. Vermeintliche Neuheiten waren meist nur Altes in neuer Optik. Zum Lachen und Weinen gab es aber wirklich einiges auf der imm cologne 2010. Klar, der Kampf um die Kundschaft ist hart. Und er trägt seltsame Blüten. Der Trend, die Produkte mit allerlei Zusatzfeatures aufzupeppen mutet manchmal wie ein verfrühter Aprilscherz an.

Über befremdliche Accessoires wie das Schlaf-Tablet von Lattoflex haben wir bereits berichtet. Wer das schon absurd fand, der wird sich nun erst recht fragen: Wer kauft so was? Ein Rundgang in Halle 9, in der auf der imm 2010 unter dem Schwerpunkt „sleep“ Betten und Zubehör rund ums Schlafzimmer ausgestellt wurden, war für so manches Stirnrunzeln gut. Einige Gimmicks waren durchaus nicht uninteressant. Natürlich geht es um Dinge, die niemand braucht, und die man sich allerhöchstens aus Langeweile zulegt oder weil man zuviel Geld hat. Das ist im Grunde legitim. Man sollte nur aufpassen, dass es nicht gar zu albern wird.


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Die Features, die beispielsweise Aquasurround aus Wörth präsentiert, sind noch ganz ansehnlich. Wer’s mag, kann sich mit integriertem LCD-Fernseher und Spielekonsole im Wasserbett vergnügen oder das namengebende Klangsystem nutzen, das in einer lauschigen Dunkelkammer vorgeführt wurde. Für die sogenannte Klangmassage im ProLine-Bett gibt es sogar eigens entwickelte CDs und BluRays.

Während man bei Aquasurround noch sanft klangmassiert wird, kann man sich auf den Betten des taiwanesischen Herstellers Powersleep kräftig durchschütteln lassen. „Käftig“ ist nicht übertrieben. In verschiedenen Geschwindigkeitsstufen ruckelt das Bett so heftig, dass einem übel werden kann. Entspannend und durchblutungsfördernd soll das sein. Sicher gibt es eine Handvoll Kunden, denen es gefällt – nur schlafen kann man auf diesen Betten sicherlich nicht. Als effektiver Wachhalte- bzw. Weckmechanismus dürften sie aber taugen. Ob das Geschüttel gesund ist, darf bezweifelt werden.

Variowell Development aus Münster bezeichnet seine neue Idee gleich selbst als „genial“. An Selbstbewusstsein fehlt es schon mal nicht. Die Zusammenarbeit mit Apple liegt aber voll im Trend. Während das iPhone im Grunde kein Telefon, sondern ein überteuertes Prestige-Spielzeug ist, soll ein Bett heute nicht mehr nur ein Bett sein, sondern über zahlreiche Zusatzfeatures verfügen. Variowell verbindet beides miteinander. Ein App fürs iPhone soll in der Lage sein, die individuellen Schlafphasen aufzuzeichnen. Passend dazu wurde eine „hochmoderne Schlafphasenmatratze“ entwickelt, deren Härte sich via iPhone „programmieren“ lässt und sich, wie der Name schon sagt, den unterschiedlichen Schlafphasen des Nutzers anpassen soll.

Wem hier schon die Mundwinkel zucken, der wird bei Relax aus Obertrum am See in Österreich gänzlich vom Stuhl fallen. Dort schläft man nämlich auf Diamanten. Nicht direkt, aber fast. Die 2,5karätigen Naturdiamanten befinden sich auf den Massivholzfederelementen unter der Matratze und versprechen „energetische Eigenschaften“. Da jeder Mensch anders ist, ist auch die Position der Diamanten nicht festgelegt. Die Spezialfederkörper können individuell nach Bedürfnis angeordnet werden. Dass sich um Diamanten viele Mythen ranken, weiß man auch in Österreich. Dass ihre „positive Wirkung auf den menschlichen Organismus“ „unbestritten“ und „wissenschaftlich bestätigt“ ist, auch. Welche Wirkung genau ein kleines Glitzersteinhäufchen unter der Matratze hat, bleibt allerdings geheim. Vielleicht werden Mythenforscher oder Schlafende mit zuviel Geld und festem Glauben es eines Tages herausfinden…  

Gerrit Wustmann