Das Thema Weichmacher ist hier im Forum schon x-fach diskutiert worden, aber eine gewisse Unsicherheit über eine etwaige Gesundheitsgefährdung des neuen oder alten Bettes bleibt, muss man sich doch auf blumige Umschreibungen der Hersteller statt definitiver Laboruntersuchungen verlassen. Dabei lässt sich relativ einfach im heimischen Backofen testen, ob Vinyl die als schädlich geltenden Weichmacher (Phthalate) wie DEHP bzw. DOP enthalten. Das ist für mich der Grund, diesen Threat zu schreiben.
Die gesundheitsschädliche Wirkung der am häufigsten verwendeten Weichmacher DEHP bzw. DOP ist inzwischen unstrittig und z.B. ihre negative Wirkung auf die Zeugungsfähigkeit von Männern in eindeutig nachgewiesen. Gerade bei Kindern – die mit einem geringen Körpergewicht pro Phtalatkonzentration besonders gefährdet sind – sollte man meiner Meinung unbedingt darauf achten, dass die Wasserbettmatratze frei von Weichmachern ist.
Das Problem dabei ist nur, dass eben keines im Wasserbettenbereich angepriesenen „Standard-Siegel“ wie die EN71-3 / ÖkoTex100 / ToxProof / GS / TÜV / M / … die Verwendung von Weichmachern explizit ausschließen und dass es eben keine Norm gibt, die deren Einsatz im Bereich der Wasserbetten verbietet. Mindestens die Hälfte an jedem dieser Siegel ist Marketinggeblubber. Am schönsten finde ich die Formulierung meines bisherigen Herstellers der aufgrund von physikalischen Eigenschaften und der anorganischen Herstellung zu dem Schluss kommt, dass seine Vinylfolie im Gegensatz zu bestimmten anderen Wasserbettfolien keine Schadstoffe enthält. Mutig. Und unter dem Begriff Schadstoffe kann jeder verstehen, was er will. Das ist genauso wenig definiert wie z.B. der Begriff Innovation.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich würde mir beim Kauf
1) schriftlich vom Lieferanten bestätigen lassen, dass kein DEHP (bzw. DOP) verwendet wird.
2) Das Vinyl per „Schnelltest für den heimischen Backofen“ testen: Weichmacher sind Wasserlöslich diffundieren beim Wasserbett kontinuierlich aus dem Vinyl in das Wasser bzw. den durch Schweiß etc. feuchte Wasserbettbezug. Das lässt sich mit einem Stück Vinyl des eigenen Bettes gut testen. Bei allen mir bekannten Wasserbetten hängt am Einfüllstutzen ein Vinyllappen mit den Informationen über Größe, Dämpfung etc. Hiervon einfach ein 1x2 cm großes Stück abschneiden und in ein Weckglas etc. hängen, das man zuvor teilweise mit Wasser gefüllt hat. Das Vinyl darf dabei nicht im Wasser liegen, sondern muss frei darüber hängen (Vinyl z.B. mit Nadel und Faden durchstechen und befestigen oder mit einer Holzwäscheklammer an einem Draht festklemmen). Nun das Ganze bei 70°C für 24 Std. in den Backofen stellen. Das Glas sollte möglichst geschlossen sein, damit bis zum Schluss genug Wasser da ist, was verdampfen kann. Das DEHP diffundiert durch die erhöhte Temperatur beschleunigt aus dem Vinyl und sorgt an der Oberfläche für eine klebrige Schicht. Klebrig heißt dabei, dass das Vinylstück an einer Fensterscheibe haften bleibt, wenn man es nach den 24 Std. dagegen drückt.
3) Sollte der Schnelltest positiv ausfallen, also das Vinyl an der Fensterscheibe kleben, dann enthält die Folie DEHP bzw. DOP. Dann hat man einen guten Grund, die Folie mit Verweis auf Schritt 1) beim Händler zurückzugeben und sich eine vernünftige Wasserbettmatratze zuzulegen. Wer will, kann das Vinylstückchen natürlich auch in einem Labor untersuchen lassen (100 bis 150 EUR). Ein guter Händler gibt einem auch bestimmt ein Probestück Vinyl vorab.
Für die Langzeitwasserbettenschläfer: Bei der nächsten Blutuntersuchung einfach mal DEHP mittesten lassen. Kostet nicht viel und ist auch ein guter Hinweis auf DEHP im Wasserbett (wenn man nicht überall Vinyltapen in der Wohnung hat, die auch eine gute Quelle für Phthalate sind).
Wikipedia beschreibt den Aufbau und Wirkungsweisen von DEHP / Mesamoll / Hexamoll auf einem einfachen Niveau. Ob z.B. Mesamoll 2der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich nicht beurteilen. Dafür scheint es noch die Langfristuntersuchungen zu geben.






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