Seite ende der 80er eroberten Futon-Betten einem Marktanteil von rund 2% in Europa
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Der Futon (jap. Decke) ist seit mehr als zweitausend Jahren die traditionelle Schlafunterlage in Japan. Ende der achtziger Jahre schwappte der Trend auch nach Europa über. Zwar liegt der Marktanteil in Deutschland nur bei rund 2%, doch eingefleischte Futon-Fans wollen auf die Vorzüge dieser Matratze auch in Krisenzeiten nicht verzichten.
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Dabei hat die Euro-Variante mit dem japanischen Vorbild fast „nichts mehr zu tun“, wie Dietmar Wagner von Futonwerk in Dortmund zu berichten weiß. Das Original besteht aus mehreren Lagen Baumwolle und ist leicht zu verstauen. Das hat den Grund, dass der Wohnraum in Japan mitunter knapp bemessen ist und die Fläche tagsüber anderweitig Verwendung findet. Die Futons werden dort direkt auf den mit weichen Tatami-Matten ausgelegten Fußboden gelegt, während sie hierzulande in aller Regel in bestehende Bettrahmen eingefügt werden und selbst dicker sind – in Japan werden nicht selten mehrere Futons übereinander gelegt, um einen weicheren Untergrund zu erzielen. Obwohl es spezielle Rahmensysteme gibt, die mehr Bodennähe haben als andere Betten, zeigt sich hierin doch deutlich die Anpassung an westliche Gewohnheiten. Euro-Futons enthalten zusätzlich Naturfasern wie Latex oder Roßhaar, was auch für dauerhafte Elastizität sorgen und den Pflegeaufwand verringern soll. „Unsere Futons werden aber nicht nur hierzulande gekauft. Wir liefern auch nach Japan“, sagt Wagner. In Japan ist es üblich, sich zwischen zwei Futons zu betten, einmal als Unterlage und einmal als Decke.
Anders als bei Anbietern von beispielsweise Wasserbetten oder Kaltschaummatratzen hält Wagner wenig von dem Marketing-Trend, Matratzen für ihre angebliche Gesundheitswirkung anzupreisen. „Matratzen sind ein unschätzbar wichtiges Funktionsprodukt. Dafür will ich ein Bewusstsein schaffen.“ Es sei aber nicht sinnvoll, auf einer Matratze zu schlafen, die sich derart dem Körper und jeder Bewegung anpasst, dass das Körperempfinden selbst schwinde. Eine Matratze könne keine physischen Beschwerden lindern. „Wer unter Rückenschmerzen leidet, wird das Problem nicht beim Bettenkauf beheben, sondern nur, indem er sein eigenes Verhalten überprüft. Eine weiche Matratze schafft keinen Ausgleich, wenn man den Tag auf einem Bürostuhl und den Abend auf dem Sofa verbringt.“
Der Futon habe „die beste Diffusion“ und sei „relativ antistatisch. Er bildet und transportiert keine elektrische Energie und hat aufgrund seiner hohen Dichte und Faservielfalt eine blockierende Wirkung.“ Der Futon biete ein Gefühl von Stabilität und Festigkeit und „zeigt dem Körper Schmerzstellen“, anstatt sie zu kaschieren. Auch deshalb, so Wagner, gebe es im Futon-Bereich nur verschwindend wenige Reklamationen von Kunden. Aufgrund der geringen Übertragung ist die Futon-Matratze auch für unterschiedlich schwere Paare gut geeignet, bei Bewegung wird der Schlaf des Partners merklich weniger gestört als auf anderen Unterlagen.
Die Preise für qualitativ hochwertige Futons liegen in der Spanne von 200 bis 800 Euro. Ähnlich wie im Wasserbetten-Segment hatten auch die Futon-Hersteller seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts zunehmend mit Discountanbietern und Billigherstellern vor allem aus China zu kämpfen. Das Erstarken des Onlinesektors kam verschärfend hinzu. Es kam sogar soweit, dass der Begriff Futon in der Allgemeinheit mit eben diesen Ramschprodukten assoziiert wurde, was zum teilweisen Niedergang der Branche beitrug und den kaum zehn Jahre zuvor entstandenen Hype abflauen ließ. Derweil blieb eine Basiszielgruppe erhalten. „Zu den besten Zeiten gab es allein in Westdeutschland gut zweihundert Futonläden“, sagt Wagner, der dem gesamten Markt, nicht zuletzt aufgrund der derzeitigen Wirtschaftskrise, weitreichende Veränderungen voraussagt.
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Autor: Gerrit Wustmann |
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