Miteinander schlafen oder einsam Schlafen?

Für frisch Verliebte gibt es nichts Schöneres als das Bett zu teilen!


Gemeinsamer Schlaf – einsamer Schlaf?

"Aufgedeckt: Wie Paare miteinander schlafen" lautet der Titel des Buches, in dem der Schlafforscher Gerhard Klötsch gemeinsam mit seinen Kollegen von der Universität Wien aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert. Intensiv haben die Wissenschaftler das Schlafverhalten von Paaren untersucht und kommen zu dem Ergebnis: Alleine schläft es sich besser.

Für frisch Verliebte gibt es nichts Schöneres: Das Bett zu teilen, gemütlich unter einer Decke einzuschlafen und aufzuwachen. Auch wenn der Schlaf selbst nicht der Beste sein mag - um das emotionale Erlebnis geht es. Aber spätestens wenn die rosarote Brille langsam durchsichtiger wird, schleicht sich nicht nur in den Alltag der Alltag ein, sondern auch in die Nacht, und all die kleinen Macken, die zuvor so liebenswert (oder ignorierenswert) erschienen, machen einem das Leben schwer.


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Von Schnarchen über Blähungen bis hin zu wörtlich „ausschlagenden“ Träumen ließe sich eine lange Liste dessen erstellen, was den geruhsamen zweisamen Schlaf stört. Zwar mag es durchaus Paare geben, die damit kein Problem haben, aber, so haben die Wiener Schlafforscher anhand zahlreicher Tests und Fragebögen nun nachgewiesen: Sie sind in der Minderheit. Die meisten Menschen schlafen allein am besten. Der Partner im Bett ist hingegen ein mannigfaltiger Störfaktor. Dass das nur wenige wahrnehmen wollen und trotz offensichtlicher nächtlicher Probleme auf ihrem Paarschlaf beharren, muss angesichts der neuen Erkenntnisse verwundern. Es scheint, als sei das Bett kulturell bedingt der Ort, der alles zusammenhält, auch dann wenn schon jegliche Gemeinsamkeiten den Bach runter sind – vom Sex gar nicht erst zu sprechen.  Das gemeinsame Bett scheint der Kitt zu sein, dessen Bruch jedermann als das endgültige Beziehungsende verortet.

Die Schlafforscher konsultieren dafür Experten aus unterschiedlichen Disziplinen. Vom Biologen über den Psychologen bis zum Verhaltensforscher kommt jeder zu Wort und jeder zum selben Ergebnis. Ähnlich wie bereits Anthony Burgess in seinem Werk „Wiege, Bett und Recamier“ wird all das mit kulturhistorischen Betrachtungen angereichert. Die Autoren betrachten zahlreiche Aspekte des modernen „Nachtlebens“ und stellen Fragen, um die sich nicht wenige Bettenhersteller schon seit langem kümmern – weil sie die Probleme ihrer Kunden kennen. Dass 140cm für zwei Menschen auf Dauer zu eng sein können, kann jeder erfahren, der es ausprobiert. Daher gibt es nicht bloß Betten, die breiter sind, sondern oft sogar die Option individueller Anfertigung. Das Doppelbett mit zwei Matratzen ist aus eben diesen genannten Gründen bereits weit verbreitet, Wasserbettenfans entscheiden sich paarweise für den Doppelkern, womit auch Gewichtsunterschiede nicht mehr ins Gewicht fallen.

Klötsch und Kollegen befassen sich, um ein möglichst umfassendes Bild bemüht, auch mit den unterschiedlichen Schlafgewohnheiten und –problemen von Männern und Frauen, sowie von Menschen unterschiedlicher Altersstufen. Ganz nach dem Motto: Mit zwanzig schläft es sich anders als mit sechzig.

Sicherlich bleibt die Frage, warum etwas wissenschaftlich untersucht werden muss, das jeder Mensch im Laufe seines Lebens selbst erfährt, warum Probleme analysiert werden müssen, die jedermann im Alltag im Grunde selbst zu lösen imstande sein sollte. Aber davon abgesehen ist das Buch eine vergnügliche und kurzweilige Lektüre, in der viele Leser sich selbst wieder finden dürften. Und der ein oder andere Aha-Effekt ist ebenfalls mit drin. Leichte Kost für kalte Winternächte, im Optimalfall unter eine gemeinsame Decke gekuschelt zu genießen.

Gerhard Klötsch, John Dittami, Josef Zeitlhofer: „Aufgedeckt: Wie Paare miteinander schlafen“, Blanvalet Taschenbuch Verlag 2009; 208 Seiten, 7,95 Euro; ISBN 978-3442373208